Aus der Zeitschrift "Niedersächsischer Jäger", Heft 10/1999, S. 14-17
"Das Wild hat vielfach gelernt, mit diesen Beeinträchtigungen umzugehen. Im Harz gibt es Reviere mit besten Schalenwildbeständen inmitten der Touristenmassen."Nun werden konstruktive Vorschläge zur "Lenkung der Massen", so der Titel des Artikels, diskutiert:

Am Text zum Bild kommt die Verlogenheit der Jäger besonders deutlich zum Ausdruck: Wenn ihre Behauptung wahr wäre, dass Spaziergänger schon durch ihre bloße Anwesenheit das Wild vertreiben würden, könnte es an einem "sehr stark benutzten Wanderweg" kein Einstandsgebiet geben, also ein Gebiet, in dem das Wild sich tagsüber versteckt!
Foto aus dem nds. Landesjagdbericht 2005, S. 18
Der Artikel "Lenkung der Massen" erschien in der Rubrik "Jagd und Öffentlichkeit" im Mitteilungsblatt der Landesjägerschaften Niedersachsen und Bremen. Zum selben Thema schloss sich ein weiterer Artikel an mit der Überschrift "Gespräch mit 'Störenfrieden' suchen". Meine nachfolgende Sammlung dokumentiert, wie das "Gespräch" abläuft.
Spaziergänger soll äsendes Wild verscheucht haben
Jagdgegner contra JägerJetzt haben Juristen zu tunVon Jan KlugkistGOCKENHOLZ. Jürgen Andresen aus Gockenholz ist empört. Nach seiner Meinung werden Spaziergänger von Jägern mit 500 000 Mark Strafe und sechs Monaten Gefängnis bedroht. Die Beschuldigten sehen das ganz anders. "Ich bin im Revier Gockenholz mit meinem Hund spazieren gegangen und war auf einer Weide, die meine Lebensgefährtin gepachtet hat", erzählt Andresen. Er habe dabei nichts Böses im Sinn gehabt. Allerdings kam er am Hochsitz "Am blanken Pfuhl" vorbei, und auf dem saß Christine Knobel. Sie ist mit ihrem Mann Herbert-Rainer "Jagdausübungsberechtigte". Beide haben einen Jagderlaubnisschein in der Genossenschaftsjagd Gockenholz. Andresen soll laut gerufen und äsendes Wild daraufhin das Weite gesucht haben. In der Sprache der Jäger heißt es dann so: "dass das zum Äsen ausgetretene Rehwild hochflüchtig absprang." Es kam zum Disput. Christine Knobel mit Gewehr oben, Jürgen Andresen mit Hund unten. Christine Knobel, die ansonsten nichts sagen will, weil jetzt ein Verfahren schwebt: "Ich fühlte mich bedroht. Zum Glück hatte ich mein Handy dabei. So konnte ich meinen Mann anrufen." Spaziergänger Andresen ist ausgewiesener Jagdgegner. Auf seiner Homepage wettert er gegen Jäger. Er fühlt sein Grundrecht bedroht, jederzeit den Wald betreten zu dürfen und befürchtet, dass Jäger ihre Reviere für alle anderen Bürger dicht machen. Davon könne überhaupt keine Rede sein, meint dagegen ein Jäger, der in anderen Revieren kaum Probleme mit Spaziergängern hat. Nur in einem Punkt wird er böse: "Wenn der Jagdbetrieb mutwillig gestört wird, wehre ich mich juristisch." Rechtsanwalt Wendenburg, der die Knobels vertritt, versuchte zunächst, eine so genannte Vertragsstrafenvereinbarung zwischen den Parteien zu Stande zu bringen. Darin sollte sich Andresen verpflichten, ab sofort das Jagdrevier Gockenholz, insbesondere in der Nähe von jagdlichen Einrichtungen, "eineinhalb Stunden vor bis eine Stunde nach Sonnenaufgang und zwei Stunden vor bis eine Stunde nach Sonnenuntergang" nicht zu betreten. Hintergrund dieser Zeiten: Dann ist damit zu rechnen, dass sich das Wild blicken lässt. Andresen: "Ich habe das natürlich nicht unterschrieben." Rechtsanwalt Wendenburg: "Herr Andresen hat das Jagdausübungsrecht verletzt und die Wiederholungsgefahr dadurch dokumentiert, dass er sich trotz Abmahnung geweigert hat, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung zu unterschreiben." Daher habe er einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen Andresen beim Amtsgericht Celle gestellt. Es drehe sich nicht darum, so ein Jäger, den Wald für die Bevölkerung dicht zu machen, sondern darum, sich gegen militante Jagdgegner zu wehren. |
CZ, 29.9.2001
Gericht verordnet Kompromiss / An zwei Tagen Einschränkungen
Spaziergänger muss Rücksicht auf Jäger bei Gockenholz nehmenGOCKENHOLZ (hs/al). Wer am Waldrand spazieren gehen will, muss Rücksicht auf ansitzende Jäger nehmen – aber auch die Jäger können dem Erholungswert dienende Spaziergänge nicht per Gerichtsurteil verbieten lassen. Das hat gestern das Amtsgericht Celle im Streit zwischen einem 48-jährigen Gymnasiallehrer und drei Jägern entschieden (Az. 15 C 1953/01).Die Waidmänner waren wegen unzulässiger Jagdstörung durch den Studienrat vor Gericht gezogen. Das Gericht indes veranlasste einen Kompromiss. Der schwelende Streit war eskaliert, als der Lehrer Jürgen Andresen mit seinem Hund an einem Hochsitz vorbeikam (CZ berichtete). Auf diesem saß die Cellerin Christine Knobel als Jagdausübungsberechtigte der Genossenschaftsjagd Gockenholz. Andresen soll, so der Vorwurf der Waidfrau, laut nach seinem Hund gerufen und damit äsendes Wild verscheucht haben. Die Jägerin fühlte sich bedroht und telefonierte per Handy Hilfe herbei. Die Grünröcke erklärten in dem Rechtsstreit, sie wollten den Wald nicht für Spaziergänger "dichtmachen", wohl aber sich gegen militante Jagdgegner wehren. Das Amtsgericht schaffte nun Frieden mit einem Vergleich. Danach verpflichtete sich der Lehrer, ein gewisses Revier der Jäger am Rande des Gockenholzer Waldes vom 1. Mai bis Januar jeden Jahres an zwei Tagen der Woche zwei Stunden vor Sonnenuntergang und eine Stunde danach nicht zu betreten. Bei Zuwiderhandlung muss er jedesmal 500 Mark an die Jäger bezahlen. So viel soll ein entgangener Abschuss eines Rehbocks kosten, stellte das Gericht fest. Somit können die Jäger ihren Abschussplan einhalten, und der Pädagoge kann an fünf Tagen in der Woche ungehindert spazieren gehen. |
Das Analphabetentum ist weiter verbreitet als man denkt. Da hat der Journalist der CZ meine Homepage gelesen und nennt mich "ausgewiesener Jagdgegner". Wer wie ich lang und breit die Schäden schildert, die das Wild anrichtet, wird wohl kaum die Jagd abschaffen wollen! (Insofern liegt auch der Schreiber des folgenden Leserbriefes daneben.) Wenn aber Rechtsanwalt Wendenburg, seit über 30 Jahren Jäger, diese Lüge auftischt, dann liegt wohl eher prozesstaktische Berechnung vor.
Am Ende des Artikels wird die alte Lüge aufgewärmt, die Jäger könnten deshalb den Abschussplan nicht erfüllen, weil sie ständig durch Spaziergänger usw. gestört würden. Dass auch nur ein einziger Jäger im Landkreis Celle dafür 500 DM Bußgeld hat zahlen müssen, ist mir allerdings noch nicht zu Ohren gekommen; im niedersächsischen Jagdrecht ist solches gar nicht vorgesehen. Es gibt dreimal so viele Rehe, wie die Jagdbehörde für Land- und Forstwirtschaft als "tragbar" festgesetzt hat. Die Jagdbehörde weiß das und duldet das, weil sie fest in der Hand der Jäger ist, und setzt sogar noch den Abschussplan herab.
Übrigens sind die drei Jäger Anhänger einer Partei, die sich die Freiheit des (besserverdienenden) Bürgers auf die Fahnen geschrieben hat.
Nachdem die Knobels bis Ende Januar 2002 regelmäßig zweimal wöchentlich telefonisch ihr Kommen ankündigten, um mir das Spazierengehen zu verbieten, scheint ihnen dann doch die Lust vergangen zu sein, weiterhin in Gockenholz dem edlen Waidwerk zu frönen. Was diesen zartbesaiteten Menschen – ihres Zeichens Geigenbauer: www.kontrabasswerkstatt.de – widerfahren sein mag, entzieht sich meiner Kenntnis. Tatsache ist jedenfalls, dass ihr Jagderlaubnisscheinaussteller Adolf Marske, Pächter des Reviers der Jagdgenossenschaft, dadurch vor dem Problem stand, die Jagpacht selbst zahlen zu müssen anstatt durch die Knobels. Er suchte händeringend Nachfolger und wollte sogar den Jagdpachtvertrag kündigen. In letzter Minute fand er zwei Jäger aus Emsdetten (über 200 km entfernt), die nicht nur brav ständig neue Hochsitze zimmern, sondern auch noch Futtermais für die Wildschweine von der Raiffeisen-Genossenschaft Emsdetten heranschaffen.
Rechenaufgabe: Die Jagdpacht für Marske beträgt rund 8600 DM. Ein
Jagderlaubnisschein kostet üblicherweise 6000 DM. Wie hoch wäre der Profit
für Marske, wenn er zwei Jagderlaubnisscheine zu diesem Preis ausstellen
würde?
Streit mit Jägern
"Wer ist hier wohl militant?"Johannes Biesterfeld, Nordburg, äußert sich zum Bericht "Jagdgegner contra Jäger" vom 21. September.Was hat eine Frau mit einer Knarre in der Hand im Wald auf einem Holzgerüst zu suchen? Wenn die Dame denn keine Steaks oder Koteletts in der Tiefkühltruhe hat, so ist sicherlich Geld da, um Fleisch zu kaufen. Die Jäger wissen doch, wie negativ ihr Tun in der Allgemeinheit beurteilt wird! Warum müssen dann immer noch Tiere aus purer Tötungslust abgeknallt werden? Die Forstwirtschaft ist bekanntlich defizitär. Staats-, Kloster- und sonstiger Forst werden durch den Steuerzahler subventioniert. Der Privat- und Bauernwald indirekt durch Landwirtschaftssubventionen beziehungsweise durch solche über den Konsum. Das bedeutet: Wenn überhaupt über den Zutritt zum Wald diskutiert wird, dann doch darüber, wann diese Leute, deren Hobby es ist, Tiere ohne jeden vernünftigen Grund zu töten, nun endlich aus Wald und Flur ausgesperrt werden! Der junge Mann, von dem die Rede ist, hat durch sein beherztes Eingreifen als Tierschützer zumindest einige Tiere vor dem Tod beziehungsweise schweren und qualvollen Verletzungen bewahrt. Mit vorbildlicher Zivilcourage und beispielhafter Menschlichkeit hat Herr Andresen seine ohnehin gesetzlich vorgeschriebene Pflicht erfüllt, Schaden von der Allgemeinheit abzuwenden. Und die sinnlose Tötung von Säugetieren ist ein solcher Schaden. Herr Andresen sollte öffentlich belobigt und ausgezeichnet werden! Und dann: Wer ist hier wohl militant? Der Spaziergänger oder die
Dame auf dem Holzgerüst mit der Flinte auf den Knien? Johannes Biesterfeld |
CZ, 28. Juni 2003
Ausritt auf privatem Forstweg endet mit Prügel-Attacke /
Landwirt fühlt sich von "militantem Jagdgegner" provoziert
Wilder Waidmann schlägt Reiter die Nase blutigVon Heiko HampelGOCKENHOLZ. Der Streit zwischen Jägern und Reitern bei Gockenholz eskaliert. Jürgen Andresen behauptet, der Jäger und Landwirt Gerhard Helms habe ihn bei einem Ausritt mit einem Faustschlag ins Gesicht niedergestreckt. Der Beschuldigte räumte gegenüber der CZ eine Handgreiflichkeit ein. Er habe sich von dem "militanten Jagdgegner" provoziert gefühlt. Tatort Forstweg. Am vergangenen Dienstag gegen 19.30 Uhr reitet Gymnasiallehrer Jürgen Andresen aus Gockenholz mit seiner Freundin aus. Dabei gelangen sie in Alvern hinter dem Friedhof auf den Privatweg von Landwirt Gerhard Helms (65), der gerade seine Felder bestellt. "Als Helms mich sieht, steigt er vom Trecker und kommt auf uns zu", erzählt Andresen. Es kommt zum Streit. "Ich war kaum aus dem Sattel, da kommt der ums Pferd gelaufen und schlägt auf mich ein", so der 50-jährige Studienrat. Folge der Prügel-Attacke: eine blutige Nase. Andresen rief per Handy die Polizei und erstattete Anzeige wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Schon eine Woche zuvor habe Helms ihm gedroht, er werde ihn "vom Pferd holen", wenn er noch einmal durch sein Revier reiten würde. Helms Ehefrau habe wenige Tage zuvor ebenfalls zwei Reiterinnen bedroht. Der beschuldigte Landwirt sieht die Sache ganz anders: Andresen sei ein "militanter Jagdgegner", der seit Jahren gegen die Jäger hetze, die Waidmänner ständig provoziere. Er habe ihm bereits zuvor verboten, auf seinem privaten Grund zu reiten und ihm nun "mal richtig Bescheid geben" wollen, so Helms. Aber Andresen habe nur höhnisch gelacht und mit den Armen gestikuliert. "Ich fühlte mich angegriffen, da ist mir die Hand ausgerutscht", berichtet Helms. Die Jäger um Gockenholz hätten schon seit Jahren nichts als Ärger mit Andresen. "Dieser fürchterliche Mensch reitet sogar unter Hochsitzen hindurch und verjagt das Wild", schimpft Helms, der um seine Abschussquote bangt. Andresen reite grundsätzlich auch nach 18 Uhr durch die Reviere, wenn die Jäger ansitzen. Bereits vor zwei Jahren hatte Andresen ("Jagd ist ein notwendiges Übel") deswegen eine gerichtliche Auseinandersetzung mit drei Jägern. Der Verprügelte sieht sich jedoch im Recht: "Laut Niedersächsischem Wald- und Landschaftsgesetz darf man in der freien Landschaft auch auf Privatwegen reiten." Doch Jäger Helms behauptet: "Der Reit- und Fahrweg geht nur bis zum Friedhof, da hinter hat niemand etwas auf meinem Grundstück verloren. Andresens Freundin hat selbst ein Jagdrevier, sollen sie doch dort ausreiten." Helms wartet jetzt auf seine gerichtliche Vorladung. Seit Jahren führen Jagdgegner und Waidmänner im Landstrich um Gockenholz ihren Kleinkrieg gegeneinander. Herrscht dort irgendwann wieder Frieden zwischen Reitern und Jägern? |
CZ, 30. Okt. 2004
Jäger setzen 1000 Euro Belohnung ausZehn Reifen an Jagdkanzeln zerstochen und an Kirrstellen Menschenhaar ausgestreutGOCKENHOLZ (jg). 1000 Euro Belohnung hat Werner Lill ausgesetzt. Er sucht den oder die Täter, die an fünf fahrbaren Jagdkanzeln im Wald bei Gockenholz Reifen zerstochen und zudem Teile des Reviers mit Menschenhaar "verstänkert" haben.Als der Jäger aus Emsdetten, der seit drei Jahren in Gockenholz zur Jagd geht, am Mittwoch eine der Jagdkanzeln an eine andere Stelle fahren wollte, fielen ihm die platten Reifen auf. Bei der Kontrolle der anderen Kanzeln stellte sich heraus, dass sämtliche zehn Reifen an den Fahrgestellen, die die hölzernen Kabinen tragen, mutwillig zerstochen waren. Außerdem fanden Lill und sein Jagdkollege an den so genannten Kirrstellen, an denen Wild mit geringen Mengen Mais angelockt wird, büschelweise Menschenhaar. Deswegen sei wohl auch das Schwarzwild ausgeblieben. Das könne eigentlich nur ein Jäger wissen, dass Wild wegen des Geruchs, der von dem Haar ausgeht, die Stellen meidet. Es sei bestimmt ein halber Eimer voll Haar gewesen, unterschiedliche Farben stellte er fest. Vermutlich habe das jemand vom Friseur geholt, meint Lill. Der Jäger erstattete bei der Polizei Lachendorf Anzeige gegen Unbekannt wegen Sachbeschädigung und setzte die Belohnung von 1000 Euro aus. Hinweise nimmt die Polizei Lachendorf, Tel. (05145) 971 60, entgegen. Bereits früher waren Lill Jagdkanzeln umgekippt worden. Bei dem Gewicht der Fahrgestelle sei das nur mit mehreren Personen möglich, sagt Lill. Auch sei bei einer Kanzel die Stütze gelockert worden, so dass sie beim Betreten umgekippt sei. Wegen der schlechten Erfahrungen will sich der 63-Jährige aus dem Revier zurückziehen und wieder in der Rhön jagen. Fritz Veth, Vorsitzender der Gockenholzer Jagdgenossenschaft, kann über die Motive der Täter nur spekulieren: "Vielleicht ist das Jagdneid." |
Da schau her! Kein Versuch, die Untaten "militanten Jagdgegnern" in die Schuhe zu schieben. Denn die Jagdexperten wissen genau: Jagdsabotage betreiben die Jäger am liebsten selber gegeneinander!
Von Emsdetten bis zur Rhön sind's noch ein paar Kilometer weiter als bis Gockenholz. Und was macht der arme Marske nun, dem zum zweiten Mal seine Goldesel davonlaufen? Vier Jahre später warf er das Handtuch. Das Geschäftsmodell seines jagdlichen Ziehvaters S., der jahrzehntelang im Vorstand der Jagdgenossenschaft Gockenholz die Strippen gezogen hatte, war für Marske nicht aufgegangen. Nun haben wir neue Jäger, die zu meinem Erstaunen ohne Umschweife zugeben, dass die Wildbestände viel zu hoch sind. Dafür werden sie von den Jägern der Nachbarreviere heftig angefeindet.
Reitergruppe auf Feldweg trifft auf Jäger T. Dieser steigt aus seinem
Geländewagen aus: „Wir Jäger und Reiter müssen doch für einander
Verständnis haben. Das gesamte Gelände hier gehört mir; dieser Weg ist ein
Privatweg. Bitte reiten Sie auf den öffentlichen Wegen. Hier ist eine
Wildruhezone.“
Jäger T. ist Makler und Bauunternehmer und durch eine illegale Bauschuttdeponie
seinem Revier bekannt geworden, die er in seiner Amtszeit als Bürgermeister von
B. anlegte.
Der neue Jagdpächter von S., ein halbblinder Alkoholiker, der sich als
Professor im Ruhestand ausgibt, sperrte viele Reit- und Wanderwege durch
Schranken, machte mit Hilfe eines Filzstiftes aus Reiterlaubnisschildern
Reitverbotsschilder und teilte den Reitern in seiner Nachbarschaft mit, dass er
leider viele, viele Nägel auf einem Reitweg verloren habe.
Diese Tollpatschigkeit verzeihen wir ihm gerne, solange er beim Schießen noch
Pferde und Hirsche unterscheiden kann.
Bauer und Jäger H. brachte an mehreren Wegen Reitverbotsschilder sowie ein
Schild "Spazierengehen nur bis 18 Uhr erlaubt. Der Jagdherr" an. Er
lauert Reiter A., der in alter Gewohnheit einen neuerdings verbotenen Weg
benutzt, auf und stellt ihn zur Rede. A. erwidert: „Das niedersächsische
Feld- und Forstordnungsgesetz erlaubt das Reiten auf allen Fahrwegen." H.
brüllt: "Was im Gesetz steht, interessiert mich nicht!“ H. wirft einen
35er-Schraubenschlüssel dem Pferd klirrend zwischen die Beine. A. biegt eilig
in einen unbeschilderten Waldweg ein. H. brüllt hinterher: „Da ist das Reiten
auch verboten!“
H. ist ein echter Sportsmann alter Schule. Natürlich wollte er niemanden
ernstlich verletzen, sondern nur das Pferd ein wenig erschrecken. Und nur ein
schlechter Reiter wäre zu Boden gegangen.
Und dann ist da noch der Bauer, Jäger, Reiter und Pferdezüchter S., der an
jedem 3. Oktober eine exklusive Schleppjagd hinter der Niedersachsenmeute
veranstaltet, die kreuz und quer durch den Wald und auch mal über einen
bestellten Acker führt. Erblicken die Hunde der Meute ein Reh, so wird es
nebenbei schnell mal gerissen. Da in seinem Dorf das Reiten immer beliebter
wird, sah sich S. ganz einfach gezwungen, seine Wege, die er noch nicht
umgepflügt hatte, und seine zwei Jagdreviere mit Schranken und Verbotsschildern
für das gewöhnliche Volk zu verbarrikadieren. „Als Grundbesitzer muss man
doch auch Vorteile haben“, sagt seine reitende und jagende Tochter.
In den beiden Jagdrevieren von S. sieht man an den Wochenenden Jäger aus
Holland, die zur Freude der einheimischen Jäger mit Taschenlampen durch den
Wald stolpern. Außerdem streift der Erbe einer Braunschweiger
Bäckereikette, der von der Arbeit anderer lebt, derart häufig durch S's.
Reviere, dass sich das Wild kaum noch blicken lässt, obwohl der Bäckermeister
Brot und Kuchen verstreut.

CZ, 24.12.1999
Zwischenfall in der Gemarkung Beedenbostel
"Ich hatte in dem Moment richtig Angst um mein Pferd", beschreibt Gabi Gebauer die Situation, als der Jagdpächter mit dem Messer vor ihr stand. Die beiden Reiterinnen waren in der Gemarkung Beedenbostel unterwegs, als der Mann ihnen in 200 Metern Entfernung auf einem Feldweg entgegenkam. "Zuerst dachte ich, er hätte ein Stück Holz in der Hand", so Frau Gebauer. "Aber als er dann näher kam, habe ich das große Messer erkannt."
Der Mann habe sich den beiden gar nicht erst als Jagdpächter vorgestellt, sonder gleich gewettert. "Er wollte wissen, was wir auf dem Weg wollten, dass wir da nicht reiten dürften, dass er uns fotografieren und anzeigen würde", berichtet Susanne Holtorf. Auf die Frage "Warum?" habe er geantwortet, weil er dort der Jagdpächter sei. "Er hat die ganze Zeit handfeste Ausdrücke gebraucht, richtig unverschämt." Da er seinen Aussagen mit dem Messer Nachdruck verlieh, fühlten sich die beiden Reiterinnen bedroht und kamen den Forderungen nach.
Gestern suchten Gabi Gebauer und Susanne Holtorf den Jagdpächter zu Hause auf, er habe aber jedes Gespräch verweigert. Am Nachmittag haben die beiden Freundinnen Anzeige wegen Nötigung erstattet.
Reiter dürfen im Wald grundsätzlich alle Wege benutzen, die Fahrwege sind, teilte Kreisrat Gerhard Probst auf Anfrage mit. Unter bestimmten Umständen können Privateigentümer allerdings ihre Wege mit Schranken absperren oder mit Verbotsschildern kennzeichnen. Beide Reiterinnen sind sich sicher, dass das für den besagten Weg nicht zutrifft. "Wenn der Mann der Meinung ist, dass wir dort nicht reiten dürfen, hätte er uns das anders begründen müssen", betont Susanne Holtorf.
Anmerkung: Die Anzeige der Reiterinnen verlief im Sande. Dabei hat ein jagender Polizist der zuständigen Polizeistation mitgeholfen, der während seiner Dienstzeit gern einmal ins Revier fährt.
Beim Jagdpächter B. rufen Ärzte aus Celler Krankenhäusern an, wenn sie mal eben schnell ein Reh totschießen wollen.

So erging es mir und meiner Frau, als wir am 3.5.95 gegen 16 Uhr 20 einen für Reiter zulässigen Weg zwischen Celle Golfplatz und Ohe beritten und die Bekanntschaft eines besonderen Exemplares von Jäger und Waldbesitzer machen mußten:
Herr L. bog mit seinem Traktor sowie zwei Langholzstämmen im Schlepp auf unseren Weg ein und fuhr, ohne das Tempo zu verringern, mit Vollgas auf uns zu. Da beidseits des Weges lange Fichtenstämme mehrfach hintereinander lagerten, bestand für uns keine Möglichkeit auszuweichen. Es blieb uns ein Raum von etwa 1,2 Meter Breite.
Mein Pferd, als das vordere, begann zu scheuen, stellte sich quer und sprang, um nicht überrollt zu werden, in die lagernden Baumstämme. Das war für Herrn L. kein Grund, abzustoppen. Er fuhr weiter auf meine Frau zu, so daß deren Pferd ebenfalls in die Stämme springen mußte. Daß wir nicht zu Schaden kamen, ist ein glücklicher Zufall.
Als ich Herrn L. etwa 100 Meter weiter beim Abhängen der Stämme zur Rede stellte, daß er sich absichtlich so verhalten habe, antwortete er im Beisein meiner Frau: "Ja, Herrenreiter haben hier nichts zu suchen, nur Jäger. Machen Sie, daß Sie nach Berlin kommen oder arbeiten Sie." Als ich ihn, entsprechend erregt, darauf hinwies, daß meine Frau als nicht so routinierte Reiterin hätte schwer verletzt werden können, sagte er: "Das ist mir egal, das will ich." Nur durch Beschwichtigung seitens meiner Frau und den Umstand, daß ich mein Pferd am Zügel halten mußte, eskalierte die Angelegenheit nicht in eine körperliche Auseinandersetzung.
Wir haben eine Woche auf eine Entschuldigung des Herrn L. gewartet und nach deren Ausbleiben Strafanzeige gestellt und die Jagdbehörde informiert.
Herr L. wurde inzwischen verurteilt, 500,– DM an die Niedersächsische Naturschutzbehörde zu überweisen.
Dr. W. Goldmann
"Wie soll sich der Jäger bei Jagdstörungen durch Naturfreunde, Spaziergänger oder Camper zweckmäßig verhalten? Er soll sein Temperament zügeln und versuchen, mit ausgesuchter Höflichkeit zum Ziel zu kommen. Mit Heftigkeit, Gereiztheit oder gar mit Handgreiflichkeiten erreicht man nichts, sondern setzt sich leicht ins Unrecht und schadet damit dem Ansehen der Jägerschaft. In gleicher Weise bewegt man die Spaziergänger, mitgeführte Hunde anzuleinen (ggf. durch Hinweis auf aufgestellte Fallen oder eine bestehende Tollwutgefahr!)."Die Worte eines Jägers "Gleich schieße ich hinter Ihnen her, dann werden Sie sehen, wie Ihre Gäule springen!" sind als versuchte Nötigung zu werten und damit strafbar (OLG Koblenz, 22.11.1984, 1 Ws 770/84).
(Blase/Pettinger, Die Jägerprüfung in Frage und Antwort, 24. Aufl. 1988, S. 511)
Der Richter Mark G. von Pückler empfiehlt den Jägern, Reiter nicht mit Waffengewalt aus den Revieren zu vertreiben, sondern mit dem Mittel der Unterlassungsklage (Wild und Hund 14/2003, S. 98)
Der Förster und Jäger Goede Gendrich aus dem Kreis Celle empört sich nur aus Berechnung über arrogantes Auftreten seiner Jägerkameraden, denn im Ziel ist er mit ihnen einig: Das Recht auf Erholung der Bevölkerung im Wald beruhe auf "offensichtlich unausgereiften und voreilig erlassenen Gesetze[n]".
"Ausgesprochen despotisch benahm sich ein Forstbeamter, der in meiner Gegenwart einen älteren Pilzsammler in schroffer Weise annahm, weil dieser einen harmlosen Teckel unangeleint mit sich führte, was in Niedersachsen nicht verboten ist, solange sich der Hund nicht der Einwirkung seines Besitzers entzieht. Nichts berechtigte ihn, den gutartigen Mann zu attackieren. Der lautstarken Aufforderung, den Hund an die Halsung zu nehmen, konnte der Mann nicht nachkommen, weil er seine Hundeleine im sechshundert Meter entfernten Wagen zurückgelassen hatte. Eingeschüchtert machte er sich mit seinem Hund auf den Weg zum Wagen. Damit aber gab sich der rigorose Beamte nicht zufrieden. In beschämender Unkenntnis gültiger Verordnungen lief er dem Hundebesitzer nach und forderte ihn auf, den Hund, wenn er ihn schon nicht anleinen könne, bis zum Wagen zu tragen. Es war bedrückend zu sehen, wie der ängstliche Mann auch dieser entwürdigenden Anweisung nachkam. Der üble Vorfall ereignete sich für mich so unvorhergesehen, daß ich den Beamten erst im nachhinein auf die Unrechtmäßigkeit seines Verhaltens hinweisen konnte. Daß er meiner Kritik gegenüber rechthaberisch auf seinem Standpunkt verharrte, war bei seiner Mentalität nicht anders zu erwarten gewesen. Mit dem Pilzsammler aber verließ wieder einmal ein Bürger den Wald, dem jedes Vertrauen in das soziale Gewissen der Jäger und Forstleute verlorengegangen war. Auch dieser Vorfall beweist einmal mehr die Notwendigkeit, erzieherisch in unseren eigenen Reihen zu wirken, um unser Ansehen in der Bevölkerung nicht von einzelnen uneinsichtigen Vertretern unserer grünen Zunft untergraben zu lassen.Während meiner Lehrzeit vor nunmehr bald sechzig Jahren sprach man uns Forstanwärtern von der Furcht, die den Wald zu regieren habe, um ihn und das Wild vor Störungen zu bewahren. Nicht wenige Revierinhaber frönten dieser Devise, indem sie sich als Fronvögte den Bürgern an den Grenzen ihrer Jagd- und Forstbezirke entgegenstellten. Noch immer mag es der Mentalität einzelner selbstsüchtiger Jäger und Forstleute entsprechen, sich als unumschränkte Herrscher des Reviers zu empfinden, in das einzudringen ihnen als verdammungswürdiges Vergehen erscheint. […]
Überhaupt Fingerspitzengefühl: Wie immer wir diesen Begriff auch verstehen wollen, ob als Takt, Einfühlsamkeit oder Sensitivität – stets muß uns dieses Gefühl in unserer Rücksichtnahme auf die Öffentlichkeit leiten. Nichts steht dem mehr entgegen als protzenhaftes Angeben mit großen Strecken und starken Trophäen, von Neid diktiertes Streiten um eine von mehreren Jägern beanspruchte Beute, mitleidloses Verzichten auf den Fangschuß für ein ohnehin alsbald verendendes Wild, Bejagen erst kurz zuvor ausgesetzter Fasane, rücksichtsloses Töten und Versorgen von Tieren in Gegenwart empfindlicher Bürger, widerwärtiges Krakeelen alkoholisierter Jäger in öffentlichen Gaststätten und manches mehr, was hier aufzuführen wir uns schenken wollen." (Goede Gendrich, Jagen: Verantwortung oder Lust am Töten?, Neumann-Neudamm 1990, S. 121, 131ff)

CZ, 19. März 2001
Besitzerin vermutet Racheakt / War "Jagd" vielleicht nur Spiel mit anderem Hund?
LANGLINGEN. Der Tod der Labrador-Mischlingshündin "Meira" in Langlingen sorgt weiter für Aufregung. Inzwischen haben die Besitzerin Simone Kahre und Ursula Moritz vom Verein aktiver Tierfreunde in Celle Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstattet. Die Suche nach Zeugen (CZ berichtete) war erfolgreich.
Eine vorliegende Aussage belastet den Jäger S. (Name der Redaktion bekannt) erheblich. Die Zeugen, das Ehepaar Christina und Ralf Rein aus Langlingen, sagten aus, dass sie "Meira" am Rande eines Grünen Planweges gesehen hätten, als ein heller VW anhielt, ein Mann mit einer Flinte ausstieg und, bevor das Paar intervenieren konnte, zweimal auf die Hündin schoss. Dann habe sich der Mann mit den Worten "wieder so ein Drecksvieh tot" wieder entfernen wollen. Zu diesem Zeitpunkt sei die Hündin aber noch nicht tot gewesen. Erst auf den Hinweis von Ralf Rein, dass das Tier noch lebe und wimmere, habe der Jäger einen dritten, tödlichen Schuss abgefeuert. Die Hündin habe er mit dem Hinweis "ich muss erst mal den Dorf-Sheriff informieren" im Straßengraben liegen gelassen.
Vorher hatte eine weitere Zeugin gesagt, "Meira" habe nicht, wie von dem Jäger behauptet, hinter einem Reh hergejagt, sondern mit einem anderen Hund gespielt. Erst auf Drängen des Jägers habe sie gesagt, es könne auch ein Reh gewesen sein.
Ursula Moritz sagte, auch wenn der Vorgang nicht hundertprozentig rekonstruierbar sei, sehe sie die "Verhältnismäßigkeit nicht gewährleistet". Der Jäger habe den Hund von Simone Kahre gekannt, er hätte die Besitzerin informieren können, anstatt das Tier zu erschießen. Auch sei die Art und Weise, wie er den Hund getötet habe, mit den Grundsätzen der Jägerei nicht zu vereinbaren. Zudem habe die Entfernung zu einigen Wohnhäusern den Jäger offenbar nicht beeindruckt, die Nähe der Passanten ebenfalls nicht. Deshalb habe sie Anzeige erstattet.
Der Erschießung von "Meira" gingen bereits andere verbale Auseinandersetzungen zwischen Simone Kahre und dem Jäger voraus. Sie vermutet, es handele sich bei der Tötung ihres Hundes um einen Racheakt. Sie kann die Handlungsweise des Jägers nicht nachvollziehen: Er ist selbst Besitzer von zwei Hunden.
Aus dem Leserbrief eines Jägers in "Die Pirsch/Der Deutsche Jäger", Heft 20/2001, S. 22
Am 15. November 2000 wurde einer meiner beiden Jagdhunde (Tirolerbracken) von einem Jagdaufseher eines angrenzenden Bühlertäler Jagdreviers mit Revolverschüssen und Messerstichen so bestialisch zugerichtet, dass er verblutete. Die Hunde waren 100 Meter über die Reviergrenze ins Nachbarrevier gewechselt. Jagdhunde und andere dienstlich verwendete Hunde müssen bei der Ausbildung und Verwendung vom Riemen gelassen werden. Es ist jedem Jäger bekannt, dass ein Hund hierbei einmal dem Führer aus der Hand gehen kann. Dies ist aber noch lange kein Grund für einen anderen Jäger, einen Jagdhund zu töten.
Anzeige
Endlich
wissenschaftlich bewiesen:
"Kühnle, der selbst Jäger ist, hält wenig davon, jagdliches Tun ausschließlich mit ökologischen Argumenten zu rechtfertigen. Sein Credo lautet: Beim Erlegen des Wildes erleben Jäger einen Kick, und zu dem sollten sie sich bekennen."In der Tat! Das "emotionale Jagdparadox", mit dem Dr. Kühnle fast 600 Seiten vollschreibt, ist zusammenkonstruiert. Denn wer darauf aus ist, ein Tier zu töten, muss zwangsläufig auch ein bestimmtes Tier töten, und sei es das, das zufällig als erstes vor die Flinte läuft, oder, näher an der Wirklichkeit, das das prächtigste Geweih hat.Kick bedeutet dabei auf altdeutsch "Lust, Freude, Entspannung, Glück".
"Die Forschung hat deutlich gezeigt: Dem Jäger geht es nicht um die Vernichtung eines speziellen Tieres, an das er sich herangepirscht hat. Er erlebt aber seinen emotionalen Erfolg, den Kick, nur, wenn es ihm gelingt, das Leben eines speziellen Tieres zu vernichten. Das klingt paradox."
"Da es viele Jäger gibt, die ein hohes Interesse daran haben, den emotionalen Kick immer und immer wieder zu erleben, werden sie ihr komplettes jagdliches Tun so gestalten, dass immer genügend jagdbares Wild vorhanden ist."Die Jäger schaffen also die Probleme, die sie zu lösen vorgeben. Angeblich profitiert hiervon nicht nur die Tier-, sondern auch die Menschenwelt.
Spiegel, Heft 2/2004, S. 58
Paul Parin: "Die Leidenschaft des Jägers". Europäische Verlagsanstalt, Hamburg, 204 Seiten; 19,90 Euro.
Seeben Arjes in "Die Pirsch/Der Deutsche Jäger", Heft 23/2000, S. 4 - 9
Die Jagd dient heute der "Sinnenfreude eines Teiles einer satten Gesellschaft. Die Jagdleidenschaft als Lustgewinn muss man nicht erklären oder rechtfertigen, denn es ist ein ganz natürliches Ding, dass die Natur uns alle Tätigkeiten, die der Arterhaltung dienen, triebhaft lustvoll gestaltet hat. Wir wären in der Evolution nicht soweit gekommen, hätten wir nicht seit eh und je triebhaft gerne Beute gemacht und mit dem anderen Geschlecht getanzt."Seltsam, dass nur 0,4 % der Deutschen ihrem angeborenen Jagdtrieb nachgehen, der auch meistens erst in der zweiten Lebenshälfte erwacht, während das Tanzen etwas weiter verbreitet ist.
"Wird die Jagd als Spiel im sportlichen Sinn verstanden, hat das Tier die besten Chancen auf gute Behandlung. Denn zum sportlichen Spiel gehört auch Fairness. Wer von der Jagd nicht leben muss, kann es sich leisten, im Umgang mit dem Partner Spielregeln zu akzeptieren. Ein echter Sportsmann will weder seine Kartoffeln vor Schweinen schützen, noch mit missionarischem Eifer den Wald von Pflanzenfressern befreien. Er will sich nicht aufbauen, indem er Schwächere besiegt. Er will in sportlichem Geist sich selbst und seine edle Gesinnung beweisen."Echt edel und sportlich wäre es, wenn der satte Wohlstandsbauch seine Spielpartner mit bloßen Händen fangen würde, statt unfaire Hilfsmittel einzusetzen, gegen die das Tier keine Chancen hat. Dass die Jäger keine "edle Gesinnung" haben, weiß er selbst:
"Manche Leute reisten und reisen heute noch weit und geben viel Geld aus, um sich an eigens dafür 'gehegten' Enten oder Fasanen 'mal richtig satt zu schießen', ohne auch nur einen einzigen Braten mit nach Hause zu nehmen. Welches Verhältnis haben jene Menschen zur Schöpfung im Allgemeinen und zu den Tieren im Besonderen? Die Jäger haben zu lange geduldet, dass solche Zeitgenossen ihren Schießsport als Jagd und sich selbst als Jäger bezeichneten."Die philosophischen Gedanken des jagdsportlichen Triebtäters gipfeln in der folgenden Lüge, die er aus seinem umfangreichen Erfahrungsschatz als Schweißhundeführer (Schweiß = Blut; Schweißhunde verfolgen die Blutspur eines angeschossenen Tieres) zieht: Wenn ein Jäger ein Tier nur anschießt, so dass es einem tagelangen Todeskampf ausgeliefert wird, weil der Jäger zu faul oder unfähig zur Nachsuche ist, dann trägt für Arjes die Schuld daran nicht der schlechte Schütze, sondern derjenige, der eine Senkung der überhöhten Wildbestände fordert.
Die Botschaft ist klar: Jagd ist entweder Selbstzweck oder unmoralisch.

Leserbrief in "Die Pirsch/Der Deutsche Jäger", Heft 9/2001, S. 25
Was ich aber an einem Stand eines afrikanischen Jagdreiseanbieters sah, verschlug lug mir glatt die Sprache. Voraus schicken möchte ich, dass ich jagdlich mit Afrika und dem dort befindlichen Großwild keine Erfahrung habe. Gelesen habe ich schon einiges darüber, darum zog es mich auch zu der Videodarbietung, mit der der Veranstalter um seine Jagd warb.
Der Film hieß ins Deutsche übersetzt, „Der Tod zu meinen Füßen“. Gezeigt wurden jeweils Szenen, in denen angeschossenen Büffeln oder auch Flusspferden der Fangschuss angetragen wurde. Jeweils wurde immer solange gewartet, bis das wehrhafte Wild auf den Schützen zustürmte. Mit dem Fangschuss wurde immer bis zur letzten Sekunde gewartet. Das Stück brach dann nur ein paar Meter vor dem Schützen zusammen. Bei einem Büffel flog nach dem Schuss der Unterkiefer davon. Einem Flusspferd hingegen, bei dem sich schon ein Blutstrahl von etwa einem Meter aus seinen Nüstern ergoss, hob man mit einem Meisterschuss aus zirka 20 Meter die Schädeldecke. Meiner Ansicht nach war der Busch auch nicht so dicht, dass ein sicherer Schuss aus größerer Distanz möglich gewesen wäre. Sind so die jagdlichen Anforderungen in Afrika?
Bei mir erweckte es allerdings den Eindruck, dass hier für so manche Jäger etwas, ja wie soll ich mich ausdrücken, etwas wie ein geiler Kick geboten wird. Ein Blick in die Runde der Zuschauer bestärkte noch meinen Eindruck. In den Gesichtern las ich von entzücktem Staunen bis zu entsetztem Kopfschütteln.
Bisher waren für mich die Sprüche der Jagdgegner über die Jäger, denen einer beim Schuss abgeht, ein blödes Gewäsch, wobei ich mir jetzt vorstellen kann, wie solche Meinungen zustande kommen. Normalerweise bin ich nicht der Leserbriefschreiber und ich habe lange hin und her überlegt, ob ich etwas unternehmen soll. Aber es lässt mir einfach keine Ruhe. Wird denn im Vorfeld nicht geprüft, was so angeboten und gezeigt wird?
Die heutige Zeit verlangt einfach etwas mehr Fingerspitzengefühl, besonders wie wir alle wissen, im Umgang mit der Jagd.
Ergänzung: Im südlichen Afrika wird "canned hunting" (Jagd in Dosen) auf Löwen angeboten: Ein Löwe wird mit Medikamenten benebelt, und ein Safarijäger aus Europa oder Nordamerika knallt ihn aus dem Jeep heraus ab. Dafür zahlt er 60 000$. Deshalb hat mancher südafrikanische Rinderzüchter seine Farm auf die Zucht von Löwen (hinter Elektrozäunen) umgestellt, weil sich das mehr lohnt. Jagdurlaub im Ausland boomt nach dem Motto: Je seltener die Tierart, desto höher der Ruhm des Jägers.
"Wer denkt, Tiere, die dem Washingtoner Artenschutzabkommen (WA, englisch: CITES) unterliegen, seien für Trophäenjäger tabu, unterliegt einem Irrtum. Bedrohte Tierarten stehen hoch im Kurs, und das WA toleriert im Rahmen bestimmter Quoten die Trophäenjagd selbst auf ansonsten streng geschützte Arten wie Gepard, Leopard, Nashorn, Elefant, Puma, Braunbär, Eisbär und Wildschaf. Nach den amtlichen deutschen WA-Jahresberichten erbeuteten deutsche Jäger innerhalb von acht Jahren Trophäen von mindestens 6 000 Tieren aus 55 geschützten Tierarten. Darunter befanden sich zum Beispiel 130 Geparde, 290 afrikanische Elefanten, 490 Leoparde, 500 Flusspferde, 100 Pumas, 480 Braunbären, 80 Eisbären und 80 Wildschafe."
("Reisen, um zu töten – deutsche Trophäenjäger im Ausland" vom Ökologischen Jagdverband und Tierschutzbund Bayern)
| Form | Zeit | Kosten |
| Entgeltliche Bewegungsjagd auf Schalenwild | Einzeltage | Standgebühr rund 200 Euro pro Tag plus Jagdbetriebskosten für Trophäenträger |
| Kurz-Jagderlaubnisschein | drei aufeinander folgende Kalendertage | 40 Euro (bei Führung zzgl. 50 Euro pro Führung) |
| Intervall-Jagderlaubnisschein | 10 aufeinander folgende Kalendertage | 90 Euro und 150 Euro bei Hochwild (bei Führung zzgl. 50 Euro pro Führung) |
Alle Preise verstehen sich zzgl. gesetzlicher Mehrwertsteuer
Quelle: Niedersächsischer Landesjagdbericht 2005
Das Angebot ist maßgeschneidert für Leute, die mal eben schnell ein Tier töten wollen. Damit sie sich im Wald zurechtfinden, können sie sogar einen Führer mieten: "Abenteuer: Waldjagd".

"Der dritte Hirsch flüchtete in einen See, wo er – bis zum Rumpf im Wasser – die am Ufer verbellenden Hunde beobachtete. Als wir aufschlossen, flüchtete der Hirsch durch den See und verschwand im Wald. Wiederum hatte er einen großen Vorsprung gewonnen, da die Hunde erst einmal eine weite Strecke um den See laufen mussten und erst nach langen Minuten am Ausstieg des Hirsches die Fährte lauthals wieder aufnehmen konnten.Auf deutsch: Er wurde mit einem 30 bis 40 cm langen Messer abgestochen.
Aber die Zähigkeit und die Fährtentreue dieses Teiles der Meute – es waren vielleicht noch gerade einmal zwanzig Hunde – wurde belohnt. Nach weiter Reise kam der Hirsch wieder zum gleichen See und zog so weit ins Wasser, dass er gerade noch stehen konnte, die Hunde aber bereits hätten schwimmen müssen. Lange verbellten die Hunde den ruhig im See stehenden Hirsch, bis ein Teil der Equipage aufgeschlossen hatte und sich in der Nähe des Hirsches versammelte. Mit einem Boot wurde der Hirsch dazu veranlasst, ans Ufer zu ziehen und auszusteigen. Sofort umringten ihn die Hunde in weitem Abstand, kein einziger Hund machte auch nur den Versuch, den Hirsch zu fassen. Mit dem Hirschfänger wurde er schließlich abgefangen."
"Der tiefe, heulende Hals dieser französischen Laufhunde, begleitet von den 'klagenden' Hornsignalen der französischen 'Es'-Hörner, das alles klingt mir heute noch im Ohr. Auch vor zweihundert Jahren ist eine solche Jagd sicher nicht sehr viel anders abgelaufen.Zu diesem Artikel druckte die Pirsch im Heft 7/2001 fünf Leserbriefe ab. Die Spannbreite der Beiträge reichte von der Belehrung, dass französische Parforcehörner nicht auf Es, sondern auf D gestimmt seien, über "gnadenlose Tierquälerei" bis zu dem Satz "Kultur ist den Franzosen vorbehalten."
Wir sollten uns hüten, eine solche Jagd nach unseren Tierschutz-Maßstäben zu be- und verurteilen. Sicher kann und wird mancher diese Jagdform als sehr traditionell und archaisch abwerten. Ich will mich einer solchen Beurteilung nicht anschließen. Ich habe diese Jagd sehr genossen und zu keiner Zeit den Eindruck gehabt, dass hier massiv gegen den Tierschutz verstoßen worden wäre.
[…]
In meinem langen Jägerleben habe ich auf der Jagd schon Vieles und nicht immer nur Positives erleben dürfen und müssen. Diese Parforce-Jagd in Frankreich war einer der ganz großen positiven Höhepunkte, und ich bin all denen dankbar, die mir diese Teilnahme ermöglicht haben." (Pirsch 2/2001, S. 78 f)
Letzterem muss man energisch widersprechen:
"Eines Abends saß ich mit einer mir aus meiner mecklenburgischen Heimat bekannten, der Jagd fremd gegenüberstehenden jungen Dame in meinem niedersächsischen Revier auf Rotwild an. Vom Hochsitz aus bot sich uns ein Bild stillen Friedens. Das Laub der Eichen am Rand der vor uns liegenden, von leichten Nebeln überzogenen Niederung hatte sich bereits verfärbt. Blaß lag das Licht der untergehenden Sonne auf den Wipfeln der uns gegenüberliegenden Kieferdickung. Leise plauderten wir miteinander. Als Heike mich fragte, ob ich wirklich ein Stück Wild schießen wolle, fühlte ich, daß es ihr widerstrebte, vielleicht den Tod eines Stück Wildes miterleben zu müssen. Wenig später verließen zwei von einem Spießer begleitete Schmaltiere die Kieferdickung. Geruhsam zogen sie in Richtung auf ein neben uns gelegenes Stangenholz. Ohne noch ein Wort mit Heike zu wechseln, trug ich dem schwächeren der beiden Schmaltiere die Kugel an, die es nach wenigen Fluchten vor dem Stangenholz verendet zusammenbrechen ließ. Ich blickte Heike an. Etwas blaß war sie geworden. Doch dann faßte sie sich und sagte: 'Daß der Tod so schnell und schmerzlos sein kann! – Gehen wir jetzt zu dem Tier?' 'Ja, Heike! Ich muß es ja noch versorgen.' Während ich das Stück aufbrach, schaute sie mir aufmerksam zu. Nach der roten Arbeit, die ich schweigend verrichtet hatte, legte ich auf den Wildkörper einen Fichtenzweig als Inbesitznahmebruch, einen zweiten gab ich dem Schmaltier als letzten Bissen. Ich wußte, daß dieser nur dem männlichen Wild zusteht, doch habe ich es seit eh und je für unbillig gehalten, ihn dem weiblichen Wild als letzte Wegzehrung vorzuenthalten. 'Sag, Goede, was bedeuten die Fichtenzweige?' Ich erläuterte es Heike und fügte hinzu, daß dieses Ritual bereits im Mittelalter Brauchtum der Jäger gewesen sei und es neben dem Inbesitznahmebruch und dem letzten Bissen noch den Schützenbruch gebe, der dem Schützen auf Gesellschaftsjagden vom Jagdherrn überreicht würde, den ich mir hier aber, mit dem Schweiß des erlegten Wildes benetzt, selbst brechen müßte. 'Darf ich das nicht machen?' fragte mich Heike erregt. 'Bitte, laß es mich tun!''Aber gerne, Heike! Wann erlebe ich es schon, von zarter Frauenhand einen Bruch überreicht zu bekommen!' Angerührt von dem für sie ungewöhnlichen Erlebnis benetzte sie einen kleinen Fichtenzweig mit dem Schweiß des Schmaltieres. Ergriffenheit verklärte ihr hübsches Gesicht, als sie mir den Bruch in die Hand und impulsiv einen Kuß gab. 'Entschuldige, Goede! Aber ich habe nie gewußt, daß die Erlegung eines Wildes etwas so Feierliches sein kann. Der Tod dieses Tieres – wie anders ist er doch als jener, der zu Hause auf unserem Gut in Mecklenburg den vom Viehhändler roh auf den Wagen gestoßenen Kälbern und Schweinen im Schlachthaus bevorstand! Als Kind verkroch ich mich in meinem Zimmer, wenn die Tiere, die ich doch so liebte, vom Hof geholt wurden.' Etliche Zeit noch saßen wir schweigend neben dem Schmaltier. Als die Dunkelheit hereinbrach und ich zum Aufbruch mahnte, drückte mir Heike leise die Hand.
'Hab Dank, Goede, für diesen wunderbaren Abend! Ich werde ihn nie vergessen.' "
Foto: dpa
"Von alters her Wehr und Zier des hirschgerechten Waidmanns, ist der Hirschfänger auch heute noch der stete Begleiter des Jägers bei der hohen Jagd; er sollte es wenigstens sein.
[…]
Es ist viel über Fangschuß und Abfangen mit der blanken Waffe [z. B. Messer, Lanze] geschrieben und gestritten worden. Ich persönlich komme mir kümmerlich vor, wenn ich auf wenige Schritte Entfernung auf das am Boden liegende Stück mit einer modernen Büchse schießen soll. Ritterlicher ist es zweifellos, den Fang zu geben. Aber es ist in vielen Fällen auch humaner. Auf ein am Boden liegendes Stück, welches sich meistens noch bewegt, und mit den Läufen um sich schlägt, ist es manchmal sehr schwer einen sicheren, sofort tödlich wirkenden Schuß abzugeben.
[…]
Rotwild und Damwild wird mit dem Hirschfänger oder dem Waidblatt [ein etwas kürzeres Messer] abgefangen. Man springt an das am Boden liegende Stück vom Rücken her heran und stößt die blanke Waffe hinter dem [Schulter-]Blatt schräg nach vorn in den Brustkorb. Handelt es sich um einen etwa hoch am Blatt getroffenen Hirsch, der dann mit Geweih und Läufen wie wild um sich schlägt, so gehört schon ein ganzer Kerl dazu - aber das wollen wir Jäger doch alle sein!
[…]
Es gehört, wie schon gesagt, Übung dazu, um ein Stück richtig abzufangen, und erst, wenn man vollkommen sicher ist, darf man sich an das noch lebende Stück wagen. Es soll Jäger geben, die behaupten, sie könnten das nicht, sie könnten das Wild nicht unter ihren Händen leiden sehen - - - wer so zart besaitet ist, der setze sich hinter den Ofen und lasse sich von seiner Großmutter lyrische Gedichte vorlesen. Die Jagd ist ein männliches Tun, sie verlangt männliche Tatkraft und Entschlossenheit, Mut und Geistesgegenwart und eine gewisse männliche Härte.
Es kommt aber noch eins hinzu: Bei den vielen Hirschen, denen ich im Laufe eines langen Jägerlebens den Fang gegeben habe, ist mir niemals in den Sinn gekommen, daß der Hirsch Schmerzen leide. Der Ausdruck dieser stolzen Köpfe war immer der eines großen Zornes bis zur rasenden Wut. Mir müßte jede Fähigkeit abgehen, im Gesichtsausdruck der Tiere lesen zu können, wenn ich mich darin täuschte. Und diesem Zorn, dieser Wut gegenüber kommt Mitleid gar nicht in Frage. Es kämpft eben Mann gegen Hirsch, Hirsch gegen Mann. Und in diesem Kampf zu einer so überlegenen Waffe zu greifen, wie es die Büchse ist, das ist mir immer gegen das Jägerblut gegangen." (Raesfeld/Frevert, Das Deutsche Waidwerk, Parey-Verlag, 7. Auflage 1955, S. 178-181)

Bild-Zeitung vom 21. Nov. 2002
Monatelang hatte Schlosser Frank M. (42) aus Luttum (Niedersachsen) gebüffelt, endliche seinen Jagdschein bestanden. Zur Feier des Tages zogen die Jäger nach der Treibjagd in ein Gasthaus.
Dort begann das Martyrium: Für die Prüflinge hatten sich die Kameraden ein Fragespiel ausgedacht. Wer die Antwort auf eine der Fragen nicht wusste, musste einen Korn trinken. Aber nicht aus einem kleinen Glas, sondern aus dem Lauf einer Flinte. Fassungsvermögen: bis zu einem halben Liter!
Der Familienvater Frank M. musste besonders oft schlucken. Gegen seinen Willen. Ein Augenzeuge: "Er flehte 'Hört auf, ich kann nicht mehr.'" Stattdessen gab es noch mehr Korn und reichlich Bier
Höhepunkt der Feier: Auf einem Tablett wurde ein toter Hase serviert. Der Schlosser musste das rohe Herz und die Leber essen. Ein zweiter Prüfling: "Das war so entwürdigend. Ich bin vor die Tür gerannt, habe mich übergeben. Frank sagte: 'Das kann ich nicht.' Mir hat das wahrscheinlich das Leben gerettet."
Auch Sohn Ron (14) war aus Stolz auf seinen Papa dabei. "Ich habe die Männer immer wieder gebeten aufzuhören. Papa war völlig fertig." Gegen 23 Uhr brach der Mann zusammen. Sein Sohn rief die Mutter an, die wollte einen Notarzt alarmieren. Aber die Jäger wiegelten ab: "Der muss nur ausschlafen."
Am nächsten Morgen war Frank M. tot. Staatsanwalt Detlef Dyballa: "Er hatte 3,65 Promille im Blut. Wir ermitteln wegen fahrlässiger Tötung oder unterlassener Hilfeleistung."
Ergänzung: Dieser reißerische BILD-Artikel schreit geradezu danach, von einer seriösen Fachzeitschrift wie "Wild und Hund", Heft 24, 20. Dez. 2002, S. 12, richtig gestellt zu werden:"Ein Einzelfall? Wie seltsam sind die Rituale der Jäger? Oder wie seltsam erscheinen sie in der Öffentlichkeit? Was ist in diesem Zusammenhang denn wirklich gewachsene Kultur und Tradition, und was irrsinniger, gefährlicher Schwachsinn?
Immer wieder hört man vom Saufen aus dem Gewehrlauf, in den immerhin fast ein halber Liter Schnaps passt, hört man von seltsamen Trinkritualen und Jägerschlägen. Die Palette der Abstrusitäten reicht vom 'Blatt schlagen' mit runter gelassenen Hosen, vom Apportieren erlegten Wildes bis zum Servieren von Innereien."
"Schaut euch die Weiberfeinde, die Vegetarier, die Antialkoholiker, Nichtraucher, Sektierer und die heftigen Jagdfeinde näher an, und ihr werdet finden, dass ihr Verhalten von Angst und Urteilsschwäche oder Geltungsbedürfnis oder Enttäuschung oder schlechtem Gewissen oder ganz einfach von abnormer Veranlagung oder böser Erfahrung bedingt ist. Was sie dann veranlasst, dem Jäger dasselbe anzukreiden.
Hans Krieg, erster Präsident des Deutschen Naturschutzrings (DNR)"
Dieses Zitat stellt der Jäger Wollny seiner Schrift "Jagdgegner-Behauptungen - Eine Richtigstellung" (PDF) voran. Ein schönes Eigentor!
Der DNR, ein Dachverband verschiedenster Naturschutzorganisationen, war anfangs von Jägern, den einzig wahren Naturschützern, dominiert, bis 1986 der Deutsche Jagdschutzverband (DJV) aus dem DNR ausgeschlossen wurde. Danach traten noch freiwillig aus: Deutscher Falkenorden, Silberner Bruch, Deutscher Fischereiverband, Verband Deutscher Sportfischer und Deutscher Imkerbund. Heute verlangt der DNR nach einer ökologisch orientierten Reform des Jagdrechts.

Jagdethik |
Jagdlyrik |
| "Die in amtlichen Vordrucken mit dem Wort 'Abschuß'
gekoppelten Ausdrücke passen nicht. Man sollte deshalb aus
jagdethischen Gründen an Stelle von 'abschießen' sagen: Schießen,
erlegen, strecken, auf die Decke legen; statt 'Abschußplan':
Bejagungsplan; statt 'Abschußliste': Streckenliste und statt 'Abschußmeldung':
Streckenmeldung." (Blase/Pettinger, S. 184) "Rehwild gehört zu den beliebtesten Schalenwildarten der Jäger wie der Naturfreunde gleichermaßen. Sie schätzen die Standorttreue, die Tagaktivität und die Variabilität der Gehörnformen. Viele Jäger sprechen vom 'Hochwild des Herzens', um ihre Wertschätzung für das Rehwild treffend zu beschreiben." (Land & Forst 21/2005, S. 43) |
"Das ist des Jägers Ehrenschild, daß er beschützt und hegt sein Wild, weidmännisch jagt, wie sich's gehört, den Schöpfer im Geschöpfe ehrt." (Diese Verse finden sich auch auf dem Etikett des Kräuterlikörs "Jägermeister") |
Jagdporno |
|
| "Respekt und die dankbare Anerkennung, dass das erbeutete Wild sein Leben dem Menschen hingegeben hat" (Dr. K.-H. in der Pirsch, Heft 13/2006) |
Nachdem Deutschland die Jagdzeiten auf Tauben, Schnepfen und einige andere Vögel in Erfüllung der EU-Vogelschutzrichtlinie verkürzen musste (Jagdverbot in der Brut- und Aufzuchtzeit), schreibt die DJZ unter dieser Überschrift im Heft 5/2002, S. 5:
"Nach der Waldschnepfe nun das 'Aus' für die Jagd auf den Ringeltauber. Wieder ist mit der berühmt-berüchtigten Salami-Taktik der Jagd etwas genommen worden – nämlich Freude! Das Frühjahr spüren, das Erwachen der Natur aus dem Winterschlaf erleben. Und der Schuss auf den Tauber ist nur der Abschluss einer tiefen Befriedigung über das Erlebte."Einige Seiten später folgt ein Interview mit dem Justiziar der Landesjägerschaft NRW, Thies:
"DJZ: Schließen Tierschutz und absichtliche Tötung von Tieren einander nicht grundsätzlich aus?Thies: Tierschutz und die absichtliche Tötung von Tieren schließen sich keineswegs aus. Niemand weiß dies besser als die Jäger. […] Die ordnungsgemäße Jagdausübung stellt nach einhelliger Rechtsansicht einen vernünftigen Grund für die Tötung von Tieren dar. Bei verständiger Betrachtung sind dabei auch die Zufügung von Schmerzen und unter Umständen sogar von Leiden, etwa bei krank geschossenem Wild, leider unvermeidbar. […] Für die Schweißarbeit und ein dabei unter Umständen notwendig werdendes Hetzen und Niederziehen eines kranken Stückes sehe ich keine Gefahr von Einschränkungen. Die Nachsuchenarbeit dient ja in erster Linie dazu, dem kranken Wild weitere Schmerzen und Leiden zu ersparen. Deshalb ist die Schweißarbeit notwendiger Bestandteil eines richtig verstandenen Tierschutzes.[…]
DJZ: Ist zu befürchten, dass jedes Krankschießen von Wild künftig als fahrlässige (wenn nicht sogar vorsätzliche) Tierquälerei bewertet wird?
Thies: Diese Befürchtung besteht nicht, denn Tierquälerei begeht nur, wer aus Rohheit einem Tier erhebliche Schmerzen oder Leiden oder länger anhaltende erhebliche Schmerzen zufügt." (S. 16 ff)
CZ, 24. Januar 2003
Ex-Bundeswirtschaftsminister Rexrodt (FDP), Wild und Hund 10/2002, S. 14
Dr. med. Waidloch

Pressedienst des Saarlandes, Ministerium für Wirtschaft, 29. November 2002 - 13:30
Die Jagd findet rund um das traditionsreichen Jagdschloß Karlsbrunn im Warndt statt, wo große Gesellschaftsjagden schon seit über 200 Jahren Tradition haben. Dabei zählt Georgi auf die erfahrenen Organisatoren vom Saarforst Landesbetrieb.
Das Konzept, das zusammen mit der IHK Saarland realisiert wird, habe sich bereits im letzten Jahr bewährt: "Die Jagd mag für viele zwar im Vordergrund stehen," so Georgi, "beim Business Meeting Jagd geht es mir vor allem um die Stärkung der Kontakte innerhalb der Wirtschaft ohne feste Tagesordnung."
Gelegenheit dazu wird sich vor allem beim Schüsseltreiben nach Jagdende ergeben. "Dabei wird herauskommen, dass das derzeitige Horrorszenario, das Berlin inszeniert, jegliches Jägerlatein an Ungeheuerlichkeit übertrifft", resümierte Georgi.
Anmerkung: "Schüsseltreiben" wird das Jagdessen genannt. Mit "Horrorszenario" ist die einst von der rot-grünen Koalition geplante Reform des Bundesjagdgesetzes gemeint, die die Zahl der Anlässe zum lauschigen Beisammensein hätte vermindern können.
"Die Pirsch/Der Deutsche Jäger" zur Wildschweinplage
| Mit dem Handy auf dem Hochsitz – da lacht die Sau! Nicht nur junge Frauen und warme Betten, sondern auch Handys können neuerdings den Wildschweinen das Leben retten. Nach der sogenannten "Wirtschaftsjagd", zu dem das saarländische Umweltministerium über 70 Schützen eben aus der Wirtschaft eingeladen hatte, konnte der Jagdleiter, Dr. Hubertus Lehnhausen, nur eine eher bescheidene Strecke von acht Wildschweinen und fünf Rehen vermelden. Tatsächlich waren aber 50 Schwarzkittel in den Treiben gezählt worden. Eine Ursache, weswegen so wenig erlegt wurden, könnte sein, weil so mancher der "Wirtschaftsschützen" vom Hochsitz aus eifrig mit seinem Handy telefoniert hatte. Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi kommentierte es so: "Was haben ein Violinkonzert und die Wirtschaftsjagd miteinander gemeinsam? – Nun, ganz einfach! In beiden Fällen sollte man das Mobiltelefon ausgeschaltet lassen." Ein Teil der Rotte muss wohl der handy-telefonierenden Wirtschaftsbosse überdrüssig geworden sein. Sie zogen lieber ins wenige Kilometer entfernte Malstatt, einem Stadtteil von Saarbrücken, und suchten auf dem dortigen Markt und in einem Geschäft ihr Heil. Die herbeigerufene Polizei sah in dem seltsamen Gebaren der Sauen eine "erhebliche Gefährdung" und nahm die Fahndung auf. Ein Schwarzkittel wurde sozusagen "auf der Flucht" erschossen. Die anderen verschwanden wieder dahin, wo sie hergekommen waren, nämlich in den Wald. |
Wenn in Gebieten mit Schwarzwild der Befund
"Schweinepest" festgestellt wird, klingen bei Veterinären,
Landwirten und nicht zuletzt den Jägern die Alarmglocken. Die Jäger
sind dann gefordert, die Bekämpfung der hochansteckenden Krankheit
durch intensive Jagd zu unterstützen. Denn nur durch eine massive
Verringerung des Schwarzwildbestands sind die Chancen groß, die
Schweinepest schnell zum Erliegen zu bringen Und überall dort wo die
Seuche in den vergangenen Jahren aufgetreten ist, sei es in
Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg oder zuletzt
in Rheinland-Pfalz, haben die Jäger in lobenswerter Weise kooperiert
und unter erheblichen Anstrengungen die Bestände deutlich reduziert.
Um so unverständlicher ist es, dass mit Schreiben vom 5. Dezember die Kreisverwaltung Bitburg-Prüm (Rheinland-Pfalz) die große Keule ausgepackt hatte und dortige Jagdpächter wegen Verstoßes gegen die in den tierpolizeilichen Anordnungen erhobene Verpflichtung zur intensiven Schwarzwildbejagung mit dem Vorwurf einer Ordnungswidrigkeit nach dem Tierseuchengesetz (Bußgeld bis zu 50 000 Mark) konfrontierte. Begründung: Der bislang getätigte Abschuss beim Schwarzwild betrage weniger als 50 Prozent der Jagdstrecke des vergangenen Jagdjahres und – so die Schlussfolgerung der Behörde – damit sei der Pächter seiner Verpflichtung zu einer intensiven Bejagung nicht in ausreichendem Maße nachgekommen. Aber damit nicht genug: In einer "Tierpolizeilichen Verfügung" wurde eine intensive Bejagung der Wildschweine "angeordnet", unter anderem sollten im Zeitraum vom 9. Dezember 2000 bis zum 14. Januar 2001 mindestens zwei Bewegungs- und zwei Ansitzjagden durchgeführt werden – natürlich vom Hegeringleiter schriftlich bestätigt. Sofortiger Vollzug wurde angeordnet, ein Zwangsmittel von 1000 Mark angedroht. Bei allem Verständnis: Hier wurde ja wohl kräftig über das Ziel hinausgeschossen. Zum Einen: In der Vergangenheit haben die Eifeler Jäger den Schwarzwildbestand erheblich reduziert, kommen zudem ihrer Pflicht weiterhin nach. Und jetzt wurde ihnen zum Vorwurf gemacht, dass sie bislang zu wenig geschossen haben. Aber – wo weniger ist, kann auch nur weniger erlegt werden. Zum zweiten: Wildschweine stehen nicht im Stall. Dort können Tiere über Nacht gekeult werden. Jäger müssen jede einzelne Sau erjagen. Wer auch nur ein wenig von der Jagd versteht, weiß, dass der Erfolg von vielerlei Umständen abhängt. Die Jäger per Ordnungswidrigkeitenvorwurf quasi zu "kriminalisieren", ist jedenfalls nicht gerade motivationsfördernd. So ist es nur gut, dass die Kreisverwaltung – nach massiven Protesten – diese Aktion bereits eine Woche später wieder ad acta gelegt und sich in einem Schreiben an die Jagdausübungsberechtigten für die Vorgehensweise entschuldigt hat. |
Die dümmsten Lügen sind die besten: Beide Artikel standen nebeneinander auf Seite 1 im Heft 2/2001 der Pirsch. Auf S. 14 stand die Jubelmeldung für das Jagdjahr 1999/2000: "neue Rekordmarke" bei den Wildschweinen in Deutschland. Im Heft 21/2001 hieß der Kommentar zur Wildschweinplage: "Bejagen statt bekämpfen".
Auch am Stadtrand von Berlin leisten die Jäger Großes:
Wildschweinjagd auf Stahnsdorfer FriedhofMit einer gezielten Jagd soll die Wildschweinplage auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) bekämpft werden. Heute rücken auf der alten Prominenten-Ruhestätte vor den Toren Berlins 15 Jäger an, wie Verwalter Olaf Ihlefeldt mitteilte. Deshalb bleibe der Friedhof von 7 bis 12 Uhr geschlossen. In den vergangenen Wochen hatten die Wildschweine teils massive Verwüstungen angerichtet. Heute werden 15 Jäger versuchen, so viel wie möglich Schwarzwild niederzustrecken. dpa17. November 2007, 04:00 Uhr
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Wildschwein-Jagd auf Stahnsdorfer Prominenten-Friedhof war FlopStahnsdorf (dpa/bb) - Die Wildschwein-Treibjagd auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) am Samstag war ein Flop – kein einziges Schwarzwild kam den Jägern vor die Flinte. «Der riesige Aufwand war leider völlig umsonst», sagte Verwalter Olaf Ihlefeldt. In den vergangenen Monaten hatten die Wildschweine immer heftiger auf der alten Prominenten-Ruhestätte vor den Toren Berlins gewütet. Auch der Einsatz von drei Jägern brachte kaum Erfolg. Deshalb rückten nun am Samstag 15 Jäger mit scharfer Munition an. 20 Treiber sollten das Wild aus den Verstecken im Dickicht locken. Wegen der Jagd war der Friedhof von 07.00 Uhr 12.00 Uhr geschlossen.erschienen am 17.11.2007 um 16:32 Uhr
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| Quelle: Welt-Online | Quelle: Welt-Online |

Cellesche Zeitung
Die Jäger lassen die Wildbestände ins Uferlose wachsen. Ein Beispiel aus meinem Dorf:
Wenn heute dagegen die Schwarzwildstrecke einmal vorübergehend in einem Jahr auf 131 zurückgeht, so fragen die Jäger sich besorgt, ob "noch genügend Schwarzwild vorhanden" ist (Hegering Lachtetal, Mitteilungsblatt der Samtgemeinde Lachendorf, März 2001, S. 61)."Rot- und Schwarzwild waren unbekannt, und wenn erst seit etwa 1930 sich ab und zu ein Schwarzkittel hierher verirrte und gar zur Strecke kam, war dies eine Sensation." (100 Jahre landwirtschaftlicher Verein Beedenbostel, 1961, S. 78)
Die systematische Erhöhung der Bestände hat sogar einen Namen: Lüneburger Modell. Als erstes verordneten sich die Jäger ab 1977 eine Schonzeit für die Wildschweine sowie eine besondere Schonung von Keilern mit vielversprechenden Anlagen: "Erzielen starker Keilertrophäen" ist ihr Ziel. (Jürgen Schulte, Der Jäger. Lehrbuch für die Jägerprüfung, Verlag Eugen Ulmer, 3. Auflage 1998, S. 83) "Wir wollen heute damit die Schwarzwildbestände reduzieren, und den Wunsch eines jeden Jägers auf Erlegung eines alten Keilers nebenbei [!] erfüllen." (Nds. Landesjagdbericht 2007, S. 27)
Hier eine Erfolgsmeldung:
"Mittelalte Keiler schont man, bis sie wirklich stark sind (Einzelgänger!). Sie sollten erst erlegt werden, wenn sie mindestens 5 Jahre alt sind oder 100 kg aufgebrochen [ausgeweidet] wiegen. Nach diesem Motto wurde in der Lüneburger Heide am 4.8.1979 im Waldrevier Ellerndorf vom Waidgenossen den Heijer ein kapitaler Basse mit dem sagenhaften Gewicht von aufgebrochen 516 Pfund, der sich in einem angelegten Haferstreifen gütlich tat, mit der 9,3 x 74 R [eine bestimmte Munition] erlegt. Ostpreußenkeiler brachten es nur (!) auf 300 bis 474 Pfund." (Blase/Pettinger, S. 250)
Auch beim Rotwild haben sie der Natur nachgeholfen: Um immer prächtigere Hirschgeweihe zu produzieren, haben sie schon früh Rothirsche aus Ungarn importiert und hier zur Vermehrung ausgesetzt (Der Speicher. Heimatbuch für den Landkreis Celle, Celle 1930, S. 409). Heute wird die Sache quasi industriell wie in der modernen Schweine- und Rinderzucht betrieben:
"Eine der größten Hirschzuchtfarmen Europas entsteht derzeit in Kroatien in der Nähe von Djakovo. Damit wird die Stadt nicht nur für ihre Lippizanerzucht weltberühmt, sondern bald auch mit Hirschen australischen Ausmaßes von sich reden machen. Die Balkan-Hunting-Company, hinter der ein großer kroatischer Autohändler steht, hat mit dem Wissen aus Neuseeland und mit Hilfe von Veterinären aus Wellington (Australien) auf knapp 100 Hektar eine Farm errichtet. Dort wird Rotwildkahlwild mit neuseeländischem Sperma befruchtet. Teilweise wurden auch Hirschembryonen eingepflanzt. Ein Teil der gezüchteten Stücke wird in einem dazugehörigen rund 1000 Hektar großen Gatter erlegt, mit anderen wird europaweit gehandelt." (Wild und Hund, 14/2010)
Damit schließt sich ein Kreis, denn die Rothirsche in Australien und Neuseeland wurden von den Europäern mitgebracht.
Aus der Ostsee-Zeitung vom 10. Dez. 2002
Die meisten aber sind zum ersten Mal auf Gänsejagd. „Wo wir herkommen, gibt's ja keine“, stellt Torsten Rübsam (30) aus Fulda nüchtern fest. Aus „jagdlichem Interesse“ habe er deshalb den Jagdurlaub in Barlin gebucht. Vier Tage, 600 Euro. Ungeheuer spannend sei die Region, stimmt sein Bekannter Hans-Christoph Mann (66) zu. „Also, jagdlich gesehen.“ Dieser Wechsel von Feld, Wald, Sträuchern. „Einmalig. Mecklenburg-Vorpommern ist eines der wild- und artenreichsten Länder überhaupt.“
Jagdtourismus – für Dirk Wortmann die Existenzgrundlage. 1996 ließ der Bielefelder das Urlaubsdorf Barlin aus dem Boden stampfen, investierte dafür sechs Millionen Euro. 2000 Hektar Revier hat er angepachtet, drei Jagdbetreuer eingestellt. „Der Laden läuft“, sagt Wortmann. Selbst im düsteren November und Anfang Dezember. „Jagdtourismus ist das einzige, was jetzt auf dem Land noch geht.“

Hamburger Abendblatt, 29. Januar 2004
CZ, 28. Januar 2004
Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts des versuchten Totschlags. Sie hatte einen Haftbefehl beantragt. Der zuständige Haftrichter sah jedoch keine ausreichenden Gründe dafür, weil keine 'Tötungsabsicht' erkennbar sei. […]
Medienberichten zufolge gilt der 55-jährige, der für Insolvenzrecht zuständig ist, als streitlustig. […]
Schüsse aus einer Schrotflinte können nach Angaben der Landesjägerschaft 'durchaus tödlich sein'. 'Das hängt von der Entfernung ab', sagte Sprecher Detlev Kraatz. […]
HAZ, 2. Juni 2004
Wild und Hund, Heft 21, 2. Nov. 2002
Hierzu merkt Deutschlands einzige Jagdwissenschaftlerin Dr. Sigrid Schwenk in ihren Gedanken zum St.-Hubertus-Tag im selben Heft an:
"Wohl jeden von uns erschüttert ein solches Unglück bis in die Knochen. Es macht nachdenklich, wenn es in den ersten Meldungen heißt, dass der Soldat in der Dämmerung und in der Schnelle aus dem Auto heraus irrtümlich für ein Wildschwein gehalten und beschossen worden sei. Immer bedenklicher wird es, wenn in weiteren Meldungen, die auch von offizieller jagdlicher Seite nachgeschoben werden, behauptet wird, dass zunächst nicht aus dem Auto geschossen worden sei, und außerdem der Soldat dem Jäger, der ein Wildschwein verfehlt habe, in die Schusslinie gelaufen sei. Wenn sich dann noch der Unglücksschütze vor seinem geöffneten Waffenschrank in der Tageszeitung ablichten lässt (ein Foto, dass groß neben dem Passbild des Getöteten in der österreichischen Tagesszeitung 'Kurier' am 19. September erschien), fehlt vielen jedes Verständnis dafür." (S. 14f)
Ansonsten vertritt Dr. Schwenk die Meinung, dass erst die Jagd den Menschen zum Menschen mache: "Vom Tier zum Menschen durch die Jagd" (in: K. G. Blüchel (Hg.), Die Jagd, Könemann-Verlag 2004). Die Menschwerdung von Dr. Schwenk verlief nach eigener Aussage von einem rein wissenschaftlichem Interesse an der Sprache der Jäger zum praktischen Interesse am Töten (ZDF Nachtstudio, 15. Okt. 2007), gewissermaßen eine Rückentwicklung.
EMMERICH. In der Annahme, es handele sich um einen Fuchs, hat ein Jäger in Emmerich (Nordrhein-Westfalen) einen Soldaten aufs Korn genommen und schwer verletzt. Der Oberfeldwebel habe sich nach einer Übung in der Dunkelheit vor dem entgegenkommenden Wagen des Jägers in einen Graben geflüchtet, berichtete die Polizei gestern. Der Jäger glaubte, einen Fuchs vor sich zu haben und feuerte seine Schrotflinte ab. Trotz Schutzweste trafen den Soldaten mehrere Kugeln in Hals, Arm und Hand.

Neuruppin - Ein 59 Jahre alter Jäger ist gestern vom Amtsgericht Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) wegen fahrlässiger Körperverletzung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Adolf L. hatte am 20. August 2003 eine 26 Jahre alte Tierpflegerin in einem Maisfeld bei Sieversdorf (Prignitz) zum Krüppel geschossen. Er hatte sie irrtümlich für ein Wildschwein gehalten.
Richter Gerhard Pries begründete das verhältnismäßig hohe Strafmaß für den bislang unbescholtenen Arbeitslosen gestern damit, dass Adolf L. eine besonders grobe Pflichtverletzung vorzuwerfen sei. Denn er habe eine der ehernen Grundregeln beim Jagen nicht beachtet: das so genannte Ansprechen, die Identifizierung des Zieles, bevor der Schuss abgefeuert wird. "Das haben sie nicht getan", warf der Richter dem Jäger vor – obwohl die Sicht bei der gerade aufziehenden Dämmerung an jenem Augustabend kurz nach 20 Uhr noch gut gewesen sei. Stattdessen habe der erfahrene Jäger auf einen "Schatten" angelegt. Es war der Schatten von Mary B. (26).
Die junge Frau hatte sich in das Feld begeben, um Mais für ihre Hühner zu sammeln. Der Jäger, der nur 20 Meter entfernt auf dem Hochsitz saß, um Wildschweine zu schießen, hörte ein Rascheln und Knacken im Maisfeld und drückte ab.
Mary B. wurde getroffen und mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Die Kugel hatte Hüft- und Beckenknochen zertrümmert und Teile des Darms zerfetzt. Tagelang kämpften die Ärzte im Berliner Unfallkrankenhaus Marzahn um die Frau. Sie überlebte, wird aber nach ärztlichen Prognosen nie wieder laufen können.
Ob das Opfer eine gewisse Teilschuld an dem Unglück trifft, das ließ der Richter gestern offen. "Wenn das Wild nicht identifiziert ist, dann darf nicht geschossen werden", sagte er. L.'s Anwalt Jens Sendke hatte im Prozess geltend gemacht, dass das Opfer eine Mitschuld treffen könnte, weil L. vorher keinen Menschen in der Nähe des Feldes gesehen und die Frau sich in das Feld geschlichen hätte, um heimlich Mais zu stehlen.
Der Richter machte jedoch deutlich, dass die Jagdvorschrift des Ansprechens genau dem Zweck diene, schwere Folgen für Unbeteiligte zu verhindern.
Als persönliche Konsequenz hat Adolf L. angekündigt, nie wieder auf die Jagd zu gehen.
Quelle: http://morgenpost.berlin1.de/archiv2004/040608/brandenburg/story682971.html
Die Jagdgesellschaft und die Sportlergruppe seien zum Unglückszeitpunkt etwa 100 Meter voneinander entfernt gewesen, sagte Polizeisprecher Dieter Schrader. "Die Gruppen haben sich gegenseitig gut erkennen können." Wie es dennoch zu dem Unfall kommen konnte, werde derzeit noch ermittelt. Nach den bisherigen Untersuchungen wurden die Männer von ein und derselben Schrotladung getroffen. "Der Unglücksschütze hat sich sofort zu erkennen gegeben und bei den Verletzten entschuldigt. Wir gehen daher nicht von einer Vorsatztat, sondern allenfalls von grober Fahrlässigkeit aus", sagte Schrader. Nach Auskunft der Norderneyer Polizei war es nicht der erste Jagdunfall auf der Insel. Vor ein paar Jahren hatten Jäger dort versehentlich einen Vogelzähler angeschossen.
Zumal die Polizei gehörige Zweifel an der Verteidigungsversion des Schützen hegt. Sie glaubt vielmehr, dass der als Jäger erfahrene, doch über 70 Jahre alte Mann die Kühe mit Wildsäuen verwechselt und in der irrigen Hoffnung auf Wildbret erschossen hat. So jedenfalls hatte sich der Jagdfreund nach den Blattschüssen einem Landwirt offenbart, den er zunächst für den Eigentümer der erlegten Paarhufer hielt. Diesem Bauern waren einige Tage vorher zwei Kühe ausgebüchst. Doch in Mittelfranken scheinen mehr Rindviecher frei herumzulaufen, als man gemeinhin annimmt. Anhand der Ohrmarken stellte sich nämlich heraus, dass die toten Tiere einem anderen Bauern gehörten.
Die Schüsse dürften den Jäger teuer kommen. Schadensersatz steht an und die Jagdbehörde prüft, ob er überhaupt noch einmal auf die Pirsch gehen darf.
