Dokumente waidmännischer Arroganz und Brutalität


Aus der Zeitschrift "Niedersächsischer Jäger", Heft 10/1999, S. 14-17

"Wir Jäger sind nicht allein in unseren Revieren, sondern teilen sie mit unseren Mitmenschen."

Dieser erste Satz des Artikels soll keine Banalität aussprechen, sondern ein Programm formulieren: Wie beseitigen wir das Ärgernis?! Nicht das Wild, die Jäger fühlen sich gestört:
"Das Wild hat vielfach gelernt, mit diesen Beeinträchtigungen umzugehen. Im Harz gibt es Reviere mit besten Schalenwildbeständen inmitten der Touristenmassen."
Nun werden konstruktive Vorschläge zur "Lenkung der Massen", so der Titel des Artikels, diskutiert:

Am Text zum Bild kommt die Verlogenheit der Jäger besonders deutlich zum Ausdruck: Wenn ihre Behauptung wahr wäre, dass Spaziergänger schon durch ihre bloße Anwesenheit das Wild vertreiben würden, könnte es an einem "sehr stark benutzten Wanderweg" kein Einstandsgebiet geben, also ein Gebiet, in dem das Wild sich tagsüber versteckt!

Foto aus dem nds. Landesjagdbericht 2005, S. 18

Der Artikel "Lenkung der Massen" erschien in der Rubrik "Jagd und Öffentlichkeit" im Mitteilungsblatt der Landesjägerschaften Niedersachsen und Bremen. Zum selben Thema schloss sich ein weiterer Artikel an mit der Überschrift "Gespräch mit 'Störenfrieden' suchen". Meine nachfolgende Sammlung dokumentiert, wie das "Gespräch" abläuft.

 


Drei Jäger verklagen einen Spaziergänger

Cellesche Zeitung (CZ), 21.9.2001
 
Spaziergänger soll äsendes Wild verscheucht haben

Jagdgegner contra Jäger

Jetzt haben Juristen zu tun

Von Jan Klugkist

GOCKENHOLZ. Jürgen Andresen aus Gockenholz ist empört. Nach seiner Meinung werden Spaziergänger von Jägern mit 500 000 Mark Strafe und sechs Monaten Gefängnis bedroht. Die Beschuldigten sehen das ganz anders.

"Ich bin im Revier Gockenholz mit meinem Hund spazieren gegangen und war auf einer Weide, die meine Lebensgefährtin gepachtet hat", erzählt Andresen. Er habe dabei nichts Böses im Sinn gehabt.

Allerdings kam er am Hochsitz "Am blanken Pfuhl" vorbei, und auf dem saß Christine Knobel. Sie ist mit ihrem Mann Herbert-Rainer "Jagdausübungsberechtigte". Beide haben einen Jagderlaubnisschein in der Genossenschaftsjagd Gockenholz. Andresen soll laut gerufen und äsendes Wild daraufhin das Weite gesucht haben. In der Sprache der Jäger heißt es dann so: "dass das zum Äsen ausgetretene Rehwild hochflüchtig absprang."

Es kam zum Disput. Christine Knobel mit Gewehr oben, Jürgen Andresen mit Hund unten. Christine Knobel, die ansonsten nichts sagen will, weil jetzt ein Verfahren schwebt:

"Ich fühlte mich bedroht. Zum Glück hatte ich mein Handy dabei. So konnte ich meinen Mann anrufen."

Spaziergänger Andresen ist ausgewiesener Jagdgegner. Auf seiner Homepage wettert er gegen  Jäger. Er fühlt sein Grundrecht bedroht, jederzeit den Wald betreten zu dürfen und befürchtet, dass Jäger ihre Reviere für alle anderen Bürger dicht machen.

Davon könne überhaupt keine Rede sein, meint dagegen ein Jäger, der in anderen Revieren kaum Probleme mit Spaziergängern hat. Nur in einem Punkt wird er böse:

"Wenn der Jagdbetrieb mutwillig gestört wird, wehre ich mich juristisch."

Rechtsanwalt Wendenburg, der die Knobels vertritt, versuchte zunächst, eine so genannte Vertragsstrafenvereinbarung zwischen den Parteien zu Stande zu bringen. Darin sollte sich Andresen verpflichten, ab sofort das Jagdrevier Gockenholz, insbesondere in der Nähe von jagdlichen Einrichtungen, "eineinhalb Stunden vor bis eine Stunde nach Sonnenaufgang und zwei Stunden vor bis eine Stunde nach Sonnenuntergang" nicht zu betreten. Hintergrund dieser Zeiten: Dann ist damit zu rechnen, dass sich das Wild blicken lässt. Andresen: "Ich habe das natürlich nicht unterschrieben."

Rechtsanwalt Wendenburg: "Herr Andresen hat das Jagdausübungsrecht verletzt und die Wiederholungsgefahr dadurch dokumentiert, dass er sich trotz Abmahnung geweigert hat, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung zu unterschreiben." Daher habe er einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen Andresen beim Amtsgericht Celle gestellt.

Es drehe sich nicht darum, so ein Jäger, den Wald für die Bevölkerung dicht zu machen, sondern darum, sich gegen militante Jagdgegner zu wehren.

CZ, 29.9.2001
 
Gericht verordnet Kompromiss / An zwei Tagen Einschränkungen

Spaziergänger muss Rücksicht auf Jäger bei Gockenholz nehmen

GOCKENHOLZ (hs/al). Wer am Waldrand spazieren gehen will, muss Rücksicht auf ansitzende Jäger nehmen – aber auch die Jäger können dem Erholungswert dienende Spaziergänge nicht per Gerichtsurteil verbieten lassen. Das hat gestern das Amtsgericht Celle im Streit zwischen einem 48-jährigen Gymnasiallehrer und drei Jägern entschieden (Az. 15 C 1953/01).
Die Waidmänner waren wegen unzulässiger Jagdstörung durch den Studienrat vor Gericht gezogen. Das Gericht indes veranlasste einen Kompromiss.

Der schwelende Streit war eskaliert, als der Lehrer Jürgen Andresen mit seinem Hund an einem Hochsitz vorbeikam (CZ berichtete). Auf diesem saß die Cellerin Christine Knobel als Jagdausübungsberechtigte der Genossenschaftsjagd Gockenholz. Andresen soll, so der Vorwurf der Waidfrau, laut nach seinem Hund gerufen und damit äsendes Wild verscheucht haben. Die Jägerin fühlte sich bedroht und telefonierte per Handy Hilfe herbei. Die Grünröcke erklärten in dem Rechtsstreit, sie wollten den Wald nicht für Spaziergänger "dichtmachen", wohl aber sich gegen militante Jagdgegner wehren.

Das Amtsgericht schaffte nun Frieden mit einem Vergleich. Danach verpflichtete sich der Lehrer, ein gewisses Revier der Jäger am Rande des Gockenholzer Waldes vom 1. Mai bis Januar jeden Jahres an zwei Tagen der Woche zwei Stunden vor Sonnenuntergang und eine Stunde danach nicht zu betreten. Bei Zuwiderhandlung muss er jedesmal 500 Mark an die Jäger bezahlen. So viel soll ein entgangener Abschuss eines Rehbocks kosten, stellte das Gericht fest. Somit können die Jäger ihren Abschussplan einhalten, und der Pädagoge kann an fünf Tagen in der Woche ungehindert spazieren gehen.

Das Analphabetentum ist weiter verbreitet als man denkt. Da hat der Journalist der CZ meine Homepage gelesen und nennt mich "ausgewiesener Jagdgegner". Wer wie ich lang und breit die Schäden schildert, die das Wild anrichtet, wird wohl kaum die Jagd abschaffen wollen! (Insofern liegt auch der Schreiber des folgenden Leserbriefes daneben.) Wenn aber Rechtsanwalt Wendenburg, seit über 30 Jahren Jäger, diese Lüge auftischt, dann liegt wohl eher prozesstaktische Berechnung vor.

Am Ende des Artikels wird die alte Lüge aufgewärmt, die Jäger könnten deshalb den Abschussplan nicht erfüllen, weil sie ständig durch Spaziergänger usw. gestört würden. Dass auch nur ein einziger Jäger im Landkreis Celle dafür 500 DM Bußgeld hat zahlen müssen, ist mir allerdings noch nicht zu Ohren gekommen; im niedersächsischen Jagdrecht ist solches gar nicht vorgesehen. Es gibt dreimal so viele Rehe, wie die Jagdbehörde für Land- und Forstwirtschaft als "tragbar" festgesetzt hat. Die Jagdbehörde weiß das und duldet das, weil sie fest in der Hand der Jäger ist, und setzt sogar noch den Abschussplan herab.

Übrigens sind die drei Jäger Anhänger einer Partei, die sich die Freiheit des (besserverdienenden) Bürgers auf die Fahnen geschrieben hat.

Nachdem die Knobels bis Ende Januar 2002 regelmäßig zweimal wöchentlich telefonisch ihr Kommen ankündigten, um mir das Spazierengehen zu verbieten, scheint ihnen dann doch die Lust vergangen zu sein, weiterhin in Gockenholz dem edlen Waidwerk zu frönen. Was diesen zartbesaiteten Menschen – ihres Zeichens Geigenbauer: www.kontrabasswerkstatt.de – widerfahren sein mag, entzieht sich meiner Kenntnis. Tatsache ist jedenfalls, dass ihr Jagderlaubnisscheinaussteller Adolf Marske, Pächter des Reviers der Jagdgenossenschaft, dadurch vor dem Problem stand, die Jagpacht selbst zahlen zu müssen anstatt durch die Knobels. Er suchte händeringend Nachfolger und wollte sogar den Jagdpachtvertrag kündigen. In letzter Minute fand er zwei Jäger aus Emsdetten (über 200 km entfernt), die nicht nur brav ständig neue Hochsitze zimmern, sondern auch noch Futtermais für die Wildschweine von der Raiffeisen-Genossenschaft Emsdetten heranschaffen.

Rechenaufgabe: Die Jagdpacht für Marske beträgt rund 8600 DM. Ein Jagderlaubnisschein kostet üblicherweise 6000 DM. Wie hoch wäre der Profit für Marske, wenn er zwei Jagderlaubnisscheine zu diesem Preis ausstellen würde?
 
Streit mit Jägern

"Wer ist hier wohl militant?"

Johannes Biesterfeld, Nordburg, äußert sich zum Bericht "Jagdgegner contra Jäger" vom 21. September.

Was hat eine Frau mit einer Knarre in der Hand im Wald auf einem Holzgerüst zu suchen? Wenn die Dame denn keine Steaks oder Koteletts in der Tiefkühltruhe hat, so ist sicherlich Geld da, um Fleisch zu kaufen. Die Jäger wissen doch, wie negativ ihr Tun in der Allgemeinheit beurteilt wird!

Warum müssen dann immer noch Tiere aus purer Tötungslust abgeknallt werden? Die Forstwirtschaft ist bekanntlich defizitär. Staats-, Kloster- und sonstiger Forst werden durch den Steuerzahler subventioniert. Der Privat- und Bauernwald indirekt durch Landwirtschaftssubventionen beziehungsweise durch solche über den Konsum. Das bedeutet: Wenn überhaupt über den Zutritt zum Wald diskutiert wird, dann doch darüber, wann diese Leute, deren Hobby es ist, Tiere ohne jeden vernünftigen Grund zu töten, nun endlich aus Wald und Flur ausgesperrt werden!

Der junge Mann, von dem die Rede ist, hat durch sein beherztes Eingreifen als Tierschützer zumindest einige Tiere vor dem Tod beziehungsweise schweren und qualvollen Verletzungen bewahrt. Mit vorbildlicher Zivilcourage und beispielhafter Menschlichkeit hat Herr Andresen seine ohnehin gesetzlich vorgeschriebene Pflicht erfüllt, Schaden von der Allgemeinheit abzuwenden. Und die sinnlose Tötung von Säugetieren ist ein solcher Schaden. Herr Andresen sollte öffentlich belobigt und ausgezeichnet werden!

Und dann: Wer ist hier wohl militant? Der Spaziergänger oder die Dame auf dem Holzgerüst mit der Flinte auf den Knien?
Die Jagd ist widersinnig und in der derzeitigen Gesellschaft nicht mehr zu rechtfertigen. Ihre Abschaffung lässt sich wissenschaftlich begründen.

Johannes Biesterfeld

CZ, 28. Juni 2003
 
Ausritt auf privatem Forstweg endet mit Prügel-Attacke / Landwirt fühlt sich von "militantem Jagdgegner" provoziert

Wilder Waidmann schlägt Reiter die Nase blutig

Von Heiko Hampel

GOCKENHOLZ. Der Streit zwischen Jägern und Reitern bei Gockenholz eskaliert. Jürgen Andresen behauptet, der Jäger und Landwirt Gerhard Helms habe ihn bei einem Ausritt mit einem Faustschlag ins Gesicht niedergestreckt. Der Beschuldigte räumte gegenüber der CZ eine Handgreiflichkeit ein. Er habe sich von dem "militanten Jagdgegner" provoziert gefühlt.

Tatort Forstweg. Am vergangenen Dienstag gegen 19.30 Uhr reitet Gymnasiallehrer Jürgen Andresen aus Gockenholz mit seiner Freundin aus. Dabei gelangen sie in Alvern hinter dem Friedhof auf den Privatweg von Landwirt Gerhard Helms (65), der gerade seine Felder bestellt. "Als Helms mich sieht, steigt er vom Trecker und kommt auf uns zu", erzählt Andresen. Es kommt zum Streit. "Ich war kaum aus dem Sattel, da kommt der ums Pferd gelaufen und schlägt auf mich ein", so der 50-jährige Studienrat. Folge der Prügel-Attacke: eine blutige Nase. Andresen rief per Handy die Polizei und erstattete Anzeige wegen vorsätzlicher Körperverletzung.

Schon eine Woche zuvor habe Helms ihm gedroht, er werde ihn "vom Pferd holen", wenn er noch einmal durch sein Revier reiten würde. Helms Ehefrau habe wenige Tage zuvor ebenfalls zwei Reiterinnen bedroht.

Der beschuldigte Landwirt sieht die Sache ganz anders: Andresen sei ein "militanter Jagdgegner", der seit Jahren gegen die Jäger hetze, die Waidmänner ständig provoziere. Er habe ihm bereits zuvor verboten, auf seinem privaten Grund zu reiten und ihm nun "mal richtig Bescheid geben" wollen, so Helms. Aber Andresen habe nur höhnisch gelacht und mit den Armen gestikuliert. "Ich fühlte mich angegriffen, da ist mir die Hand ausgerutscht", berichtet Helms.

Die Jäger um Gockenholz hätten schon seit Jahren nichts als Ärger mit Andresen. "Dieser fürchterliche Mensch reitet sogar unter Hochsitzen hindurch und verjagt das Wild", schimpft Helms, der um seine Abschussquote bangt. Andresen reite grundsätzlich auch nach 18 Uhr durch die Reviere, wenn die Jäger ansitzen. Bereits vor zwei Jahren hatte Andresen ("Jagd ist ein notwendiges Übel") deswegen eine gerichtliche Auseinandersetzung mit drei Jägern. Der Verprügelte sieht sich jedoch im Recht: "Laut Niedersächsischem Wald- und Landschaftsgesetz darf man in der freien Landschaft auch auf Privatwegen reiten." Doch Jäger Helms behauptet: "Der Reit- und Fahrweg geht nur bis zum Friedhof, da hinter hat niemand etwas auf meinem Grundstück verloren. Andresens Freundin hat selbst ein Jagdrevier, sollen sie doch dort ausreiten."

Helms wartet jetzt auf seine gerichtliche Vorladung. Seit Jahren führen Jagdgegner und Waidmänner im Landstrich um Gockenholz ihren Kleinkrieg gegeneinander. Herrscht dort irgendwann wieder Frieden zwischen Reitern und Jägern?

CZ, 30. Okt. 2004
 

Jäger setzen 1000 Euro Belohnung aus

Zehn Reifen an Jagdkanzeln zerstochen und an Kirrstellen Menschenhaar ausgestreut

GOCKENHOLZ (jg). 1000 Euro Belohnung hat Werner Lill ausgesetzt. Er sucht den oder die Täter, die an fünf fahrbaren Jagdkanzeln im Wald bei Gockenholz Reifen zerstochen und zudem Teile des Reviers mit Menschenhaar "verstänkert" haben.

Als der Jäger aus Emsdetten, der seit drei Jahren in Gockenholz zur Jagd geht, am Mittwoch eine der Jagdkanzeln an eine andere Stelle fahren wollte, fielen ihm die platten Reifen auf. Bei der Kontrolle der anderen Kanzeln stellte sich heraus, dass sämtliche zehn Reifen an den Fahrgestellen, die die hölzernen Kabinen tragen, mutwillig zerstochen waren. Außerdem fanden Lill und sein Jagdkollege an den so genannten Kirrstellen, an denen Wild mit geringen Mengen Mais angelockt wird, büschelweise Menschenhaar. Deswegen sei wohl auch das Schwarzwild ausgeblieben. Das könne eigentlich nur ein Jäger wissen, dass Wild wegen des Geruchs, der von dem Haar ausgeht, die Stellen meidet. Es sei bestimmt ein halber Eimer voll Haar gewesen, unterschiedliche Farben stellte er fest. Vermutlich habe das jemand vom Friseur geholt, meint Lill. Der Jäger erstattete bei der Polizei Lachendorf Anzeige gegen Unbekannt wegen Sachbeschädigung und setzte die Belohnung von 1000 Euro aus. Hinweise nimmt die Polizei Lachendorf, Tel. (05145) 971 60, entgegen.

Bereits früher waren Lill Jagdkanzeln umgekippt worden. Bei dem Gewicht der Fahrgestelle sei das nur mit mehreren Personen möglich, sagt Lill. Auch sei bei einer Kanzel die Stütze gelockert worden, so dass sie beim Betreten umgekippt sei. Wegen der schlechten Erfahrungen will sich der 63-Jährige aus dem Revier zurückziehen und wieder in der Rhön jagen.

Fritz Veth, Vorsitzender der Gockenholzer Jagdgenossenschaft, kann über die Motive der Täter nur spekulieren: "Vielleicht ist das Jagdneid."

Da schau her! Kein Versuch, die Untaten "militanten Jagdgegnern" in die Schuhe zu schieben. Denn die Jagdexperten wissen genau: Jagdsabotage betreiben die Jäger am liebsten selber gegeneinander!
Von Emsdetten bis zur Rhön sind's noch ein paar Kilometer weiter als bis Gockenholz. Und was macht der arme Marske nun, dem zum zweiten Mal seine Goldesel davonlaufen? Vier Jahre später warf er das Handtuch. Das Geschäftsmodell seines jagdlichen Ziehvaters S., der jahrzehntelang im Vorstand der Jagdgenossenschaft Gockenholz die Strippen gezogen hatte, war für Marske nicht aufgegangen. Nun haben wir neue Jäger, die zu meinem Erstaunen ohne Umschweife zugeben, dass die Wildbestände viel zu hoch sind. Dafür werden sie von den Jägern der Nachbarreviere heftig angefeindet.

Jagdszenen aus der Südheide

Sommerlicher Sonnenuntergang. Reiter A. zu Pferd auf Feldweg; Jäger, vom Hochsitz herabsteigend: „Ich zahle 20 000 DM im Jahr für die Jagd, und nun kommen Sie und verscheuchen mir das Wild! Die Fußgänger und Radfahrer sind schon schlimm genug, aber die kommen wenigstens nicht mehr so spät wie Sie. Wissen Sie denn nicht, dass es eine Abmachung mit den Reitvereinen gibt, nach 18 Uhr nicht mehr im Wald zu reiten?“ Sprach's und fuhr mit seinem BMW davon, der 100 m entfernt parkte.
Reiter A. ist kein Mitglied in einem Reitverein, kann sich allerdings nicht vorstellen, dass Reitvereine den Jägern das Betreten (oder Befahren) des Waldes vor 18 Uhr verbieten möchten.

Reitergruppe auf Feldweg trifft auf Jäger T. Dieser steigt aus seinem Geländewagen aus: „Wir Jäger und Reiter müssen doch für einander Verständnis haben. Das gesamte Gelände hier gehört mir; dieser Weg ist ein Privatweg. Bitte reiten Sie auf den öffentlichen Wegen. Hier ist eine Wildruhezone.“
Jäger T. ist Makler und Bauunternehmer und durch eine illegale Bauschuttdeponie seinem Revier bekannt geworden, die er in seiner Amtszeit als Bürgermeister von B. anlegte.

Der neue Jagdpächter von S., ein halbblinder Alkoholiker, der sich als Professor im Ruhestand ausgibt, sperrte viele Reit- und Wanderwege durch Schranken, machte mit Hilfe eines Filzstiftes aus Reiterlaubnisschildern Reitverbotsschilder und teilte den Reitern in seiner Nachbarschaft mit, dass er leider viele, viele Nägel auf einem Reitweg verloren habe.
Diese Tollpatschigkeit verzeihen wir ihm gerne, solange er beim Schießen noch Pferde und Hirsche unterscheiden kann.

Bauer und Jäger H. brachte an mehreren Wegen Reitverbotsschilder sowie ein Schild "Spazierengehen nur bis 18 Uhr erlaubt. Der Jagdherr" an. Er lauert Reiter A., der in alter Gewohnheit einen neuerdings verbotenen Weg benutzt, auf und stellt ihn zur Rede. A. erwidert: „Das niedersächsische Feld- und Forstordnungsgesetz erlaubt das Reiten auf allen Fahrwegen." H. brüllt: "Was im Gesetz steht, interessiert mich nicht!“ H. wirft einen 35er-Schraubenschlüssel dem Pferd klirrend zwischen die Beine. A. biegt eilig in einen unbeschilderten Waldweg ein. H. brüllt hinterher: „Da ist das Reiten auch verboten!“
H. ist ein echter Sportsmann alter Schule. Natürlich wollte er niemanden ernstlich verletzen, sondern nur das Pferd ein wenig erschrecken. Und nur ein schlechter Reiter wäre zu Boden gegangen.

Und dann ist da noch der Bauer, Jäger, Reiter und Pferdezüchter S., der an jedem 3. Oktober eine exklusive Schleppjagd hinter der Niedersachsenmeute veranstaltet, die kreuz und quer durch den Wald und auch mal über einen bestellten Acker führt. Erblicken die Hunde der Meute ein Reh, so wird es nebenbei schnell mal gerissen. Da in seinem Dorf das Reiten immer beliebter wird, sah sich S. ganz einfach gezwungen, seine Wege, die er noch nicht umgepflügt hatte, und seine zwei Jagdreviere mit Schranken und Verbotsschildern für das gewöhnliche Volk zu verbarrikadieren. „Als Grundbesitzer muss man doch auch Vorteile haben“, sagt seine reitende und jagende Tochter.
In den beiden Jagdrevieren von S. sieht man an den Wochenenden Jäger aus Holland, die zur Freude der einheimischen Jäger mit Taschenlampen durch den Wald stolpern. Außerdem streift der Erbe einer Braunschweiger Bäckereikette, der von der Arbeit anderer lebt, derart häufig durch S's. Reviere, dass sich das Wild kaum noch blicken lässt, obwohl der Bäckermeister Brot und Kuchen verstreut.


CZ, 24.12.1999

Zwischenfall in der Gemarkung Beedenbostel

Von Jagdpächter mit dem Messer bedroht: Reiter erstatten Anzeige

GOCKENHOLZ (bd). Dass sie von Jagdpächtern mit ihren Pferden nicht gern gesehen werden, haben Gabi Gebauer und Susanne Holtorf schon oft erlebt. Was sie am Mittwoch allerdings erleben mussten, hätten sich beide nie träumen lassen: Auf dem Weg nach Hause wurden die Reiterinnen von einem Jagdpächter mit einer Machete bedroht und auf übelste Weise beschimpft.

"Ich hatte in dem Moment richtig Angst um mein Pferd", beschreibt Gabi Gebauer die Situation, als der Jagdpächter mit dem Messer vor ihr stand. Die beiden Reiterinnen waren in der Gemarkung Beedenbostel unterwegs, als der Mann ihnen in 200 Metern Entfernung auf einem Feldweg entgegenkam. "Zuerst dachte ich, er hätte ein Stück Holz in der Hand", so Frau Gebauer. "Aber als er dann näher kam, habe ich das große Messer erkannt."

Der Mann habe sich den beiden gar nicht erst als Jagdpächter vorgestellt, sonder gleich gewettert. "Er wollte wissen, was wir auf dem Weg wollten, dass wir da nicht reiten dürften, dass er uns fotografieren und anzeigen würde", berichtet Susanne Holtorf. Auf die Frage "Warum?" habe er geantwortet, weil er dort der Jagdpächter sei. "Er hat die ganze Zeit handfeste Ausdrücke gebraucht, richtig unverschämt." Da er seinen Aussagen mit dem Messer Nachdruck verlieh, fühlten sich die beiden Reiterinnen bedroht und kamen den Forderungen nach.

Gestern suchten Gabi Gebauer und Susanne Holtorf den Jagdpächter zu Hause auf, er habe aber jedes Gespräch verweigert. Am Nachmittag haben die beiden Freundinnen Anzeige wegen Nötigung erstattet.

Reiter dürfen im Wald grundsätzlich alle Wege benutzen, die Fahrwege sind, teilte Kreisrat Gerhard Probst auf Anfrage mit. Unter bestimmten Umständen können Privateigentümer allerdings ihre Wege mit Schranken absperren oder mit Verbotsschildern kennzeichnen. Beide Reiterinnen sind sich sicher, dass das für den besagten Weg nicht zutrifft. "Wenn der Mann der Meinung ist, dass wir dort nicht reiten dürfen, hätte er uns das anders begründen müssen", betont Susanne Holtorf.

Anmerkung: Die Anzeige der Reiterinnen verlief im Sande. Dabei hat ein jagender Polizist der zuständigen Polizeistation mitgeholfen, der während seiner Dienstzeit gern einmal ins Revier fährt.
Beim Jagdpächter B. rufen Ärzte aus Celler Krankenhäusern an, wenn sie mal eben schnell ein Reh totschießen wollen.


Leserbrief in der Zeitschrift "Freizeit im Sattel", Heft 9/1995

Erlebnis im Celler Land

Niedersachsen und Celle sind mit Recht stolz auf ihre Pferdezucht und deren klangvollen Namen. Tauchen die gleichen Pferde jedoch außerhalb der Box oder Reitanlage in der freien Natur auf, so ist es bei vielen Zeitgenossen mit der Liebe zum Pferd vorbei.

So erging es mir und meiner Frau, als wir am 3.5.95 gegen 16 Uhr 20 einen für Reiter zulässigen Weg zwischen Celle Golfplatz und Ohe beritten und die Bekanntschaft eines besonderen Exemplares von Jäger und Waldbesitzer machen mußten:

Herr L. bog mit seinem Traktor sowie zwei Langholzstämmen im Schlepp auf unseren Weg ein und fuhr, ohne das Tempo zu verringern, mit Vollgas auf uns zu. Da beidseits des Weges lange Fichtenstämme mehrfach hintereinander lagerten, bestand für uns keine Möglichkeit auszuweichen. Es blieb uns ein Raum von etwa 1,2 Meter Breite.

Mein Pferd, als das vordere, begann zu scheuen, stellte sich quer und sprang, um nicht überrollt zu werden, in die lagernden Baumstämme. Das war für Herrn L. kein Grund, abzustoppen. Er fuhr weiter auf meine Frau zu, so daß deren Pferd ebenfalls in die Stämme springen mußte. Daß wir nicht zu Schaden kamen, ist ein glücklicher Zufall.

Als ich Herrn L. etwa 100 Meter weiter beim Abhängen der Stämme zur Rede stellte, daß er sich absichtlich so verhalten habe, antwortete er im Beisein meiner Frau: "Ja, Herrenreiter haben hier nichts zu suchen, nur Jäger. Machen Sie, daß Sie nach Berlin kommen oder arbeiten Sie." Als ich ihn, entsprechend erregt, darauf hinwies, daß meine Frau als nicht so routinierte Reiterin hätte schwer verletzt werden können, sagte er: "Das ist mir egal, das will ich." Nur durch Beschwichtigung seitens meiner Frau und den Umstand, daß ich mein Pferd am Zügel halten mußte, eskalierte die Angelegenheit nicht in eine körperliche Auseinandersetzung.

Wir haben eine Woche auf eine Entschuldigung des Herrn L. gewartet und nach deren Ausbleiben Strafanzeige gestellt und die Jagdbehörde informiert.

Herr L. wurde inzwischen verurteilt, 500,– DM an die Niedersächsische Naturschutzbehörde zu überweisen.

Dr. W. Goldmann


"Ruhe im Revier"

"Wie soll sich der Jäger bei Jagdstörungen durch Naturfreunde, Spaziergänger oder Camper zweckmäßig verhalten? Er soll sein Temperament zügeln und versuchen, mit ausgesuchter Höflichkeit zum Ziel zu kommen. Mit Heftigkeit, Gereiztheit oder gar mit Handgreiflichkeiten erreicht man nichts, sondern setzt sich leicht ins Unrecht und schadet damit dem Ansehen der Jägerschaft. In gleicher Weise bewegt man die Spaziergänger, mitgeführte Hunde anzuleinen (ggf. durch Hinweis auf aufgestellte Fallen oder eine bestehende Tollwutgefahr!)."
(Blase/Pettinger, Die Jägerprüfung in Frage und Antwort, 24. Aufl. 1988, S. 511)
Die Worte eines Jägers "Gleich schieße ich hinter Ihnen her, dann werden Sie sehen, wie Ihre Gäule springen!" sind als versuchte Nötigung zu werten und damit strafbar (OLG Koblenz, 22.11.1984, 1 Ws 770/84).

Der Richter Mark G. von Pückler empfiehlt den Jägern, Reiter nicht mit Waffengewalt aus den Revieren zu vertreiben, sondern mit dem Mittel der Unterlassungsklage (Wild und Hund 14/2003, S. 98)

Der Förster und Jäger Goede Gendrich aus dem Kreis Celle empört sich nur aus Berechnung über arrogantes Auftreten seiner Jägerkameraden, denn im Ziel ist er mit ihnen einig: Das Recht auf Erholung der Bevölkerung im Wald beruhe auf "offensichtlich unausgereiften und voreilig erlassenen Gesetze[n]".

"Ausgesprochen despotisch benahm sich ein Forstbeamter, der in meiner Gegenwart einen älteren Pilzsammler in schroffer Weise annahm, weil dieser einen harmlosen Teckel unangeleint mit sich führte, was in Niedersachsen nicht verboten ist, solange sich der Hund nicht der Einwirkung seines Besitzers entzieht. Nichts berechtigte ihn, den gutartigen Mann zu attackieren. Der lautstarken Aufforderung, den Hund an die Halsung zu nehmen, konnte der Mann nicht nachkommen, weil er seine Hundeleine im sechshundert Meter entfernten Wagen zurückgelassen hatte. Eingeschüchtert machte er sich mit seinem Hund auf den Weg zum Wagen. Damit aber gab sich der rigorose Beamte nicht zufrieden. In beschämender Unkenntnis gültiger Verordnungen lief er dem Hundebesitzer nach und forderte ihn auf, den Hund, wenn er ihn schon nicht anleinen könne, bis zum Wagen zu tragen. Es war bedrückend zu sehen, wie der ängstliche Mann auch dieser entwürdigenden Anweisung nachkam. Der üble Vorfall ereignete sich für mich so unvorhergesehen, daß ich den Beamten erst im nachhinein auf die Unrechtmäßigkeit seines Verhaltens hinweisen konnte. Daß er meiner Kritik gegenüber rechthaberisch auf seinem Standpunkt verharrte, war bei seiner Mentalität nicht anders zu erwarten gewesen. Mit dem Pilzsammler aber verließ wieder einmal ein Bürger den Wald, dem jedes Vertrauen in das soziale Gewissen der Jäger und Forstleute verlorengegangen war. Auch dieser Vorfall beweist einmal mehr die Notwendigkeit, erzieherisch in unseren eigenen Reihen zu wirken, um unser Ansehen in der Bevölkerung nicht von einzelnen uneinsichtigen Vertretern unserer grünen Zunft untergraben zu lassen.

Während meiner Lehrzeit vor nunmehr bald sechzig Jahren sprach man uns Forstanwärtern von der Furcht, die den Wald zu regieren habe, um ihn und das Wild vor Störungen zu bewahren. Nicht wenige Revierinhaber frönten dieser Devise, indem sie sich als Fronvögte den Bürgern an den Grenzen ihrer Jagd- und Forstbezirke entgegenstellten. Noch immer mag es der Mentalität einzelner selbstsüchtiger Jäger und Forstleute entsprechen, sich als unumschränkte Herrscher des Reviers zu empfinden, in das einzudringen ihnen als verdammungswürdiges Vergehen erscheint. […]

Überhaupt Fingerspitzengefühl: Wie immer wir diesen Begriff auch verstehen wollen, ob als Takt, Einfühlsamkeit oder Sensitivität – stets muß uns dieses Gefühl in unserer Rücksichtnahme auf die Öffentlichkeit leiten. Nichts steht dem mehr entgegen als protzenhaftes Angeben mit großen Strecken und starken Trophäen, von Neid diktiertes Streiten um eine von mehreren Jägern beanspruchte Beute, mitleidloses Verzichten auf den Fangschuß für ein ohnehin alsbald verendendes Wild, Bejagen erst kurz zuvor ausgesetzter Fasane, rücksichtsloses Töten und Versorgen von Tieren in Gegenwart empfindlicher Bürger, widerwärtiges Krakeelen alkoholisierter Jäger in öffentlichen Gaststätten und manches mehr, was hier aufzuführen wir uns schenken wollen." (Goede Gendrich, Jagen: Verantwortung oder Lust am Töten?, Neumann-Neudamm 1990, S. 121, 131ff)

 

CZ, 19. März 2001

Besitzerin vermutet Racheakt / War "Jagd" vielleicht nur Spiel mit anderem Hund?

"Wieder so ein Drecksvieh tot"

Zeugenaussage belastet Jäger schwer

Von Stephan Bähnisch

LANGLINGEN. Der Tod der Labrador-Mischlingshündin "Meira" in Langlingen sorgt weiter für Aufregung. Inzwischen haben die Besitzerin Simone Kahre und Ursula Moritz vom Verein aktiver Tierfreunde in Celle Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstattet. Die Suche nach Zeugen (CZ berichtete) war erfolgreich.

Eine vorliegende Aussage belastet den Jäger S. (Name der Redaktion bekannt) erheblich. Die Zeugen, das Ehepaar Christina und Ralf Rein aus Langlingen, sagten aus, dass sie "Meira" am Rande eines Grünen Planweges gesehen hätten, als ein heller VW anhielt, ein Mann mit einer Flinte ausstieg und, bevor das Paar intervenieren konnte, zweimal auf die Hündin schoss. Dann habe sich der Mann mit den Worten "wieder so ein Drecksvieh tot" wieder entfernen wollen. Zu diesem Zeitpunkt sei die Hündin aber noch nicht tot gewesen. Erst auf den Hinweis von Ralf Rein, dass das Tier noch lebe und wimmere, habe der Jäger einen dritten, tödlichen Schuss abgefeuert. Die Hündin habe er mit dem Hinweis "ich muss erst mal den Dorf-Sheriff informieren" im Straßengraben liegen gelassen.

Vorher hatte eine weitere Zeugin gesagt, "Meira" habe nicht, wie von dem Jäger behauptet, hinter einem Reh hergejagt, sondern mit einem anderen Hund gespielt. Erst auf Drängen des Jägers habe sie gesagt, es könne auch ein Reh gewesen sein.

Ursula Moritz sagte, auch wenn der Vorgang nicht hundertprozentig rekonstruierbar sei, sehe sie die "Verhältnismäßigkeit nicht gewährleistet". Der Jäger habe den Hund von Simone Kahre gekannt, er hätte die Besitzerin informieren können, anstatt das Tier zu erschießen. Auch sei die Art und Weise, wie er den Hund getötet habe, mit den Grundsätzen der Jägerei nicht zu vereinbaren. Zudem habe die Entfernung zu einigen Wohnhäusern den Jäger offenbar nicht beeindruckt, die Nähe der Passanten ebenfalls nicht. Deshalb habe sie Anzeige erstattet.

Der Erschießung von "Meira" gingen bereits andere verbale Auseinandersetzungen zwischen Simone Kahre und dem Jäger voraus. Sie vermutet, es handele sich bei der Tötung ihres Hundes um einen Racheakt. Sie kann die Handlungsweise des Jägers nicht nachvollziehen: Er ist selbst Besitzer von zwei Hunden.

 


Aus dem Leserbrief eines Jägers in "Die Pirsch/Der Deutsche Jäger", Heft 20/2001, S. 22

Nicht auf Jagdhunde schießen!

Am 15. November 2000 wurde einer meiner beiden Jagdhunde (Tirolerbracken) von einem Jagdaufseher eines angrenzenden Bühlertäler Jagdreviers mit Revolverschüssen und Messerstichen so bestialisch zugerichtet, dass er verblutete. Die Hunde waren 100 Meter über die Reviergrenze ins Nachbarrevier gewechselt. Jagdhunde und andere dienstlich verwendete Hunde müssen bei der Ausbildung und Verwendung vom Riemen gelassen werden. Es ist jedem Jäger bekannt, dass ein Hund hierbei einmal dem Führer aus der Hand gehen kann. Dies ist aber noch lange kein Grund für einen anderen Jäger, einen Jagdhund zu töten.

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Das interessiert Jäger: HasenpenisEndlich wissenschaftlich bewiesen:

Jäger sind Lustmörder

Ein Jäger namens Günter Kühnle schrieb an der Universität Trier eine Doktorarbeit "Die Jagd als Mechanismus der biotischen und kulturellen Evolution des Menschen", betreut von dem jagenden Universitätsprof. Dr. rer. nat. Dr. h. c. mult. Paul Müller ( http://ub-dok.uni-trier.de/diss/diss45/20030120/20030120.htm). "Wild und Hund" fasst das Opus unter der Überschrift "Keine Angst vor der Lust" im Heft 24/2003 auf den Seiten 32 bis 35 so zusammen:
"Kühnle, der selbst Jäger ist, hält wenig davon, jagdliches Tun ausschließlich mit ökologischen Argumenten zu rechtfertigen. Sein Credo lautet: Beim Erlegen des Wildes erleben Jäger einen Kick, und zu dem sollten sie sich bekennen."

Kick bedeutet dabei auf altdeutsch "Lust, Freude, Entspannung, Glück".

"Die Forschung hat deutlich gezeigt: Dem Jäger geht es nicht um die Vernichtung eines speziellen Tieres, an das er sich herangepirscht hat. Er erlebt aber seinen emotionalen Erfolg, den Kick, nur, wenn es ihm gelingt, das Leben eines speziellen Tieres zu vernichten. Das klingt paradox."

In der Tat! Das "emotionale Jagdparadox", mit dem Dr. Kühnle fast 600 Seiten vollschreibt, ist zusammenkonstruiert. Denn wer darauf aus ist, ein Tier zu töten, muss zwangsläufig auch ein bestimmtes Tier töten, und sei es das, das zufällig als erstes vor die Flinte läuft, oder, näher an der Wirklichkeit, das das prächtigste Geweih hat.
"Da es viele Jäger gibt, die ein hohes Interesse daran haben, den emotionalen Kick immer und immer wieder zu erleben, werden sie ihr komplettes jagdliches Tun so gestalten, dass immer genügend jagdbares Wild vorhanden ist."
Die Jäger schaffen also die Probleme, die sie zu lösen vorgeben. Angeblich profitiert hiervon nicht nur die Tier-, sondern auch die Menschenwelt.

 


Spiegel, Heft 2/2004, S. 58

Prügelstrafe auf der Jagd

Der Autor bekennt sich: Die Jagd auf Wildtiere eröffne einen "Freiraum für Verbrechen bis zum Mord und für sexuelle Lust" – ähnlich wie in einem Krieg. So beginnt Paul Parin, 87, in Zürich lebender Ethno-Psychoanalytiker, seine unter dem Titel "Die Leidenschaft des Jägers" zusammengefassten, teils autobiografischen Erzählungen. Kein Buch für Jäger, sondern eines für Leser, die noch nie begreifen konnten, was Menschen dazu veranlasst, nächtelang mit der Flinte in der Hand auf Hochsitzen zu frieren: Es ist die "Licence for Sex And Crime". Parin weiß es aus eigener Erfahrung. Sexuelle Erregung beim Jagen gehörte zu den Selbstverständlichkeiten seiner Jugend auf einem slowenischen Gut wie die vom autoritären Vater angeordnete Prügelstrafe bei Verhaltensfehlern des Sohnes während der Fuchsjagd. Dennoch blieb Parin zeitlebens leidenschaftlicher Jäger. Ein Widerspruch, den er mit Hilfe der Psychoanalyse aufklären möchte: Das Kind identifiziere sich mit dem jagenden Vater, es sei zugleich Rebell und genieße es unbewusst, das Wild als "Imago des Vaters" kaltblütig zu töten. Deshalb sei die Jagd weniger ein Sport als ein archaisches Ritual, angetrieben von der "Gier, fern vom Fortschritt der Technik töten zu können". Kritische Selbstbeobachtung und nüchterne ethnologische Berichte von Reisen nach Westafrika schützen Parin davor, selbst Opfer seiner Leidenschaft zu werden und Jägerlatein zu produzieren. Er nimmt auch die Erzählungen von der Jagd unter die Lupe – und stellt fest: Erst durch die Weitererzählung überstandener Gefahren fühle sich der Jäger als Angehöriger einer Elite.

Paul Parin: "Die Leidenschaft des Jägers". Europäische Verlagsanstalt, Hamburg, 204 Seiten; 19,90 Euro.


Seeben Arjes in "Die Pirsch/Der Deutsche Jäger", Heft 23/2000, S. 4 - 9

"Die Würde des Tieres ist antastbar"

Die Jagd dient heute der "Sinnenfreude eines Teiles einer satten Gesellschaft. Die Jagdleidenschaft als Lustgewinn muss man nicht erklären oder rechtfertigen, denn es ist ein ganz natürliches Ding, dass die Natur uns alle Tätigkeiten, die der Arterhaltung dienen, triebhaft lustvoll gestaltet hat. Wir wären in der Evolution nicht soweit gekommen, hätten wir nicht seit eh und je triebhaft gerne Beute gemacht und mit dem anderen Geschlecht getanzt."
Seltsam, dass nur 0,4 % der Deutschen ihrem angeborenen Jagdtrieb nachgehen, der auch meistens erst in der zweiten Lebenshälfte erwacht, während das Tanzen etwas weiter verbreitet ist.
"Wird die Jagd als Spiel im sportlichen Sinn verstanden, hat das Tier die besten Chancen auf gute Behandlung. Denn zum sportlichen Spiel gehört auch Fairness. Wer von der Jagd nicht leben muss, kann es sich leisten, im Umgang mit dem Partner Spielregeln zu akzeptieren. Ein echter Sportsmann will weder seine Kartoffeln vor Schweinen schützen, noch mit missionarischem Eifer den Wald von Pflanzenfressern befreien. Er will sich nicht aufbauen, indem er Schwächere besiegt. Er will in sportlichem Geist sich selbst und seine edle Gesinnung beweisen."
Echt edel und sportlich wäre es, wenn der satte Wohlstandsbauch seine Spielpartner mit bloßen Händen fangen würde, statt unfaire Hilfsmittel einzusetzen, gegen die das Tier keine Chancen hat. Dass die Jäger keine "edle Gesinnung" haben, weiß er selbst:
"Manche Leute reisten und reisen heute noch weit und geben viel Geld aus, um sich an eigens dafür 'gehegten' Enten oder Fasanen 'mal richtig satt zu schießen', ohne auch nur einen einzigen Braten mit nach Hause zu nehmen. Welches Verhältnis haben jene Menschen zur Schöpfung im Allgemeinen und zu den Tieren im Besonderen? Die Jäger haben zu lange geduldet, dass solche Zeitgenossen ihren Schießsport als Jagd und sich selbst als Jäger bezeichneten."
Die philosophischen Gedanken des jagdsportlichen Triebtäters gipfeln in der folgenden Lüge, die er aus seinem umfangreichen Erfahrungsschatz als Schweißhundeführer (Schweiß = Blut; Schweißhunde verfolgen die Blutspur eines angeschossenen Tieres) zieht: Wenn ein Jäger ein Tier nur anschießt, so dass es einem tagelangen Todeskampf ausgeliefert wird, weil der Jäger zu faul oder unfähig zur Nachsuche ist, dann trägt für Arjes die Schuld daran nicht der schlechte Schütze, sondern derjenige, der eine Senkung der überhöhten Wildbestände fordert.

Die Botschaft ist klar: Jagd ist entweder Selbstzweck oder unmoralisch.

 

Leserbrief in "Die Pirsch/Der Deutsche Jäger", Heft 9/2001, S. 25

Bitte etwas mehr Fingerspitzengefühl

Zum ersten Mal habe ich die Messe „Jagd & Hund“ 2001 in Dortmund besucht. Alles in allem war ich über die Größe der Veranstaltung stark beeindruckt. Auch die Vielzahl der Anbieter von Jagdreisen aus aller Herren Länder war für mich sehr eindrucksvoll.

Was ich aber an einem Stand eines afrikanischen Jagdreiseanbieters sah, verschlug lug mir glatt die Sprache. Voraus schicken möchte ich, dass ich jagdlich mit Afrika und dem dort befindlichen Großwild keine Erfahrung habe. Gelesen habe ich schon einiges darüber, darum zog es mich auch zu der Videodarbietung, mit der der Veranstalter um seine Jagd warb.

Der Film hieß ins Deutsche übersetzt, „Der Tod zu meinen Füßen“. Gezeigt wurden jeweils Szenen, in denen angeschossenen Büffeln oder auch Flusspferden der Fangschuss angetragen wurde. Jeweils wurde immer solange gewartet, bis das wehrhafte Wild auf den Schützen zustürmte. Mit dem Fangschuss wurde immer bis zur letzten Sekunde gewartet. Das Stück brach dann nur ein paar Meter vor dem Schützen zusammen. Bei einem Büffel flog nach dem Schuss der Unterkiefer davon. Einem Flusspferd hingegen, bei dem sich schon ein Blutstrahl von etwa einem Meter aus seinen Nüstern ergoss, hob man mit einem Meisterschuss aus zirka 20 Meter die Schädeldecke. Meiner Ansicht nach war der Busch auch nicht so dicht, dass ein sicherer Schuss aus größerer Distanz möglich gewesen wäre. Sind so die jagdlichen Anforderungen in Afrika?

Bei mir erweckte es allerdings den Eindruck, dass hier für so manche Jäger etwas, ja wie soll ich mich ausdrücken, etwas wie ein geiler Kick geboten wird. Ein Blick in die Runde der Zuschauer bestärkte noch meinen Eindruck. In den Gesichtern las ich von entzücktem Staunen bis zu entsetztem Kopfschütteln.

Bisher waren für mich die Sprüche der Jagdgegner über die Jäger, denen einer beim Schuss abgeht, ein blödes Gewäsch, wobei ich mir jetzt vorstellen kann, wie solche Meinungen zustande kommen. Normalerweise bin ich nicht der Leserbriefschreiber und ich habe lange hin und her überlegt, ob ich etwas unternehmen soll. Aber es lässt mir einfach keine Ruhe. Wird denn im Vorfeld nicht geprüft, was so angeboten und gezeigt wird?

Die heutige Zeit verlangt einfach etwas mehr Fingerspitzengefühl, besonders wie wir alle wissen, im Umgang mit der Jagd.

 

Ergänzung: Im südlichen Afrika wird "canned hunting" (Jagd in Dosen) auf Löwen angeboten: Ein Löwe wird mit Medikamenten benebelt, und ein Safarijäger aus Europa oder Nordamerika knallt ihn aus dem Jeep heraus ab. Dafür zahlt er 60 000$. Deshalb hat mancher südafrikanische Rinderzüchter seine Farm auf die Zucht von Löwen (hinter Elektrozäunen) umgestellt, weil sich das mehr lohnt. Jagdurlaub im Ausland boomt nach dem Motto: Je seltener die Tierart, desto höher der Ruhm des Jägers.

"Wer denkt, Tiere, die dem Washingtoner Artenschutzabkommen (WA, englisch: CITES) unterliegen, seien für Trophäenjäger tabu, unterliegt einem Irrtum. Bedrohte Tierarten stehen hoch im Kurs, und das WA toleriert im Rahmen bestimmter Quoten die Trophäenjagd selbst auf ansonsten streng geschützte Arten wie Gepard, Leopard, Nashorn, Elefant, Puma, Braunbär, Eisbär und Wildschaf. Nach den amtlichen deutschen WA-Jahresberichten erbeuteten deutsche Jäger innerhalb von acht Jahren Trophäen von mindestens 6 000 Tieren aus 55 geschützten Tierarten. Darunter befanden sich zum Beispiel 130 Geparde, 290 afrikanische Elefanten, 490 Leoparde, 500 Flusspferde, 100 Pumas, 480 Braunbären, 80 Eisbären und 80 Wildschafe."
("Reisen, um zu töten – deutsche Trophäenjäger im Ausland" vom Ökologischen Jagdverband und Tierschutzbund Bayern)

Preisliste für das Töten im niedersächsischen Landesforst

Form Zeit Kosten
Entgeltliche Bewegungsjagd auf Schalenwild Einzeltage Standgebühr rund 200 Euro pro Tag plus Jagdbetriebskosten für Trophäenträger
Kurz-Jagderlaubnisschein drei aufeinander folgende Kalendertage 40 Euro (bei Führung zzgl. 50 Euro pro Führung)
Intervall-Jagderlaubnisschein 10 aufeinander folgende Kalendertage 90 Euro und 150 Euro bei Hochwild (bei Führung zzgl. 50 Euro pro Führung)

Alle Preise verstehen sich zzgl. gesetzlicher Mehrwertsteuer

Quelle: Niedersächsischer Landesjagdbericht 2005

Das Angebot ist maßgeschneidert für Leute, die mal eben schnell ein Tier töten wollen. Damit sie sich im Wald zurechtfinden, können sie sogar einen Führer mieten: "Abenteuer: Waldjagd".

Kulturvolles Töten I: Deutscher Waidmann erlebt Höhepunkt in Frankreich

"Eine Parforce-Jagd in Frankreich – beobachtet von Bernd Krewer"

Berittene Jäger hetzten über viele Stunden drei Hirsche mit einer Hundemeute. Zwei Hirsche konnten entkommen.
"Der dritte Hirsch flüchtete in einen See, wo er – bis zum Rumpf im Wasser – die am Ufer verbellenden Hunde beobachtete. Als wir aufschlossen, flüchtete der Hirsch durch den See und verschwand im Wald. Wiederum hatte er einen großen Vorsprung gewonnen, da die Hunde erst einmal eine weite Strecke um den See laufen mussten und erst nach langen Minuten am Ausstieg des Hirsches die Fährte lauthals wieder aufnehmen konnten.
Aber die Zähigkeit und die Fährtentreue dieses Teiles der Meute – es waren vielleicht noch gerade einmal zwanzig Hunde – wurde belohnt. Nach weiter Reise kam der Hirsch wieder zum gleichen See und zog so weit ins Wasser, dass er gerade noch stehen konnte, die Hunde aber bereits hätten schwimmen müssen. Lange verbellten die Hunde den ruhig im See stehenden Hirsch, bis ein Teil der Equipage aufgeschlossen hatte und sich in der Nähe des Hirsches versammelte. Mit einem Boot wurde der Hirsch dazu veranlasst, ans Ufer zu ziehen und auszusteigen. Sofort umringten ihn die Hunde in weitem Abstand, kein einziger Hund machte auch nur den Versuch, den Hirsch zu fassen. Mit dem Hirschfänger wurde er schließlich abgefangen."
Auf deutsch: Er wurde mit einem 30 bis 40 cm langen Messer abgestochen.
"Der tiefe, heulende Hals dieser französischen Laufhunde, begleitet von den 'klagenden' Hornsignalen der französischen 'Es'-Hörner, das alles klingt mir heute noch im Ohr. Auch vor zweihundert Jahren ist eine solche Jagd sicher nicht sehr viel anders abgelaufen.
Wir sollten uns hüten, eine solche Jagd nach unseren Tierschutz-Maßstäben zu be- und verurteilen. Sicher kann und wird mancher diese Jagdform als sehr traditionell und archaisch abwerten. Ich will mich einer solchen Beurteilung nicht anschließen. Ich habe diese Jagd sehr genossen und zu keiner Zeit den Eindruck gehabt, dass hier massiv gegen den Tierschutz verstoßen worden wäre.
[…]
In meinem langen Jägerleben habe ich auf der Jagd schon Vieles und nicht immer nur Positives erleben dürfen und müssen. Diese Parforce-Jagd in Frankreich war einer der ganz großen positiven Höhepunkte, und ich bin all denen dankbar, die mir diese Teilnahme ermöglicht haben." (Pirsch 2/2001, S. 78 f)
Zu diesem Artikel druckte die Pirsch im Heft 7/2001 fünf Leserbriefe ab. Die Spannbreite der Beiträge reichte von der Belehrung, dass französische Parforcehörner nicht auf Es, sondern auf D gestimmt seien, über "gnadenlose Tierquälerei" bis zu dem Satz "Kultur ist den Franzosen vorbehalten."

Letzterem muss man energisch widersprechen:

Kulturvolles Töten II: Tierleiche erregt junge Dame

Goede Gendrich, Jagen: Verantwortung oder Lust am Töten?, S. 67f

"Eines Abends saß ich mit einer mir aus meiner mecklenburgischen Heimat bekannten, der Jagd fremd gegenüberstehenden jungen Dame in meinem niedersächsischen Revier auf Rotwild an. Vom Hochsitz aus bot sich uns ein Bild stillen Friedens. Das Laub der Eichen am Rand der vor uns liegenden, von leichten Nebeln überzogenen Niederung hatte sich bereits verfärbt. Blaß lag das Licht der untergehenden Sonne auf den Wipfeln der uns gegenüberliegenden Kieferdickung. Leise plauderten wir miteinander. Als Heike mich fragte, ob ich wirklich ein Stück Wild schießen wolle, fühlte ich, daß es ihr widerstrebte, vielleicht den Tod eines Stück Wildes miterleben zu müssen. Wenig später verließen zwei von einem Spießer begleitete Schmaltiere die Kieferdickung. Geruhsam zogen sie in Richtung auf ein neben uns gelegenes Stangenholz. Ohne noch ein Wort mit Heike zu wechseln, trug ich dem schwächeren der beiden Schmaltiere die Kugel an, die es nach wenigen Fluchten vor dem Stangenholz verendet zusammenbrechen ließ. Ich blickte Heike an. Etwas blaß war sie geworden. Doch dann faßte sie sich und sagte: 'Daß der Tod so schnell und schmerzlos sein kann! – Gehen wir jetzt zu dem Tier?' 'Ja, Heike! Ich muß es ja noch versorgen.' Während ich das Stück aufbrach, schaute sie mir aufmerksam zu. Nach der roten Arbeit, die ich schweigend verrichtet hatte, legte ich auf den Wildkörper einen Fichtenzweig als Inbesitznahmebruch, einen zweiten gab ich dem Schmaltier als letzten Bissen. Ich wußte, daß dieser nur dem männlichen Wild zusteht, doch habe ich es seit eh und je für unbillig gehalten, ihn dem weiblichen Wild als letzte Wegzehrung vorzuenthalten. 'Sag, Goede, was bedeuten die Fichtenzweige?' Ich erläuterte es Heike und fügte hinzu, daß dieses Ritual bereits im Mittelalter Brauchtum der Jäger gewesen sei und es neben dem Inbesitznahmebruch und dem letzten Bissen noch den Schützenbruch gebe, der dem Schützen auf Gesellschaftsjagden vom Jagdherrn überreicht würde, den ich mir hier aber, mit dem Schweiß des erlegten Wildes benetzt, selbst brechen müßte. 'Darf ich das nicht machen?' fragte mich Heike erregt. 'Bitte, laß es mich tun!'

'Aber gerne, Heike! Wann erlebe ich es schon, von zarter Frauenhand einen Bruch überreicht zu bekommen!' Angerührt von dem für sie ungewöhnlichen Erlebnis benetzte sie einen kleinen Fichtenzweig mit dem Schweiß des Schmaltieres. Ergriffenheit verklärte ihr hübsches Gesicht, als sie mir den Bruch in die Hand und impulsiv einen Kuß gab. 'Entschuldige, Goede! Aber ich habe nie gewußt, daß die Erlegung eines Wildes etwas so Feierliches sein kann. Der Tod dieses Tieres – wie anders ist er doch als jener, der zu Hause auf unserem Gut in Mecklenburg den vom Viehhändler roh auf den Wagen gestoßenen Kälbern und Schweinen im Schlachthaus bevorstand! Als Kind verkroch ich mich in meinem Zimmer, wenn die Tiere, die ich doch so liebte, vom Hof geholt wurden.' Etliche Zeit noch saßen wir schweigend neben dem Schmaltier. Als die Dunkelheit hereinbrach und ich zum Aufbruch mahnte, drückte mir Heike leise die Hand.

'Hab Dank, Goede, für diesen wunderbaren Abend! Ich werde ihn nie vergessen.' "

lustvolles Töten

Foto: dpa

Wie man kulturvoll mit dem Hirschfänger tötet

 

"Von alters her Wehr und Zier des hirschgerechten Waidmanns, ist der Hirschfänger auch heute noch der stete Begleiter des Jägers bei der hohen Jagd; er sollte es wenigstens sein.
[…]
Es ist viel über Fangschuß und Abfangen mit der blanken Waffe [z. B. Messer, Lanze] geschrieben und gestritten worden. Ich persönlich komme mir kümmerlich vor, wenn ich auf wenige Schritte Entfernung auf das am Boden liegende Stück mit einer modernen Büchse schießen soll. Ritterlicher ist es zweifellos, den Fang zu geben. Aber es ist in vielen Fällen auch humaner. Auf ein am Boden liegendes Stück, welches sich meistens noch bewegt, und mit den Läufen um sich schlägt, ist es manchmal sehr schwer einen sicheren, sofort tödlich wirkenden Schuß abzugeben.
[…]
Rotwild und Damwild wird mit dem Hirschfänger oder dem Waidblatt [ein etwas kürzeres Messer] abgefangen. Man springt an das am Boden liegende Stück vom Rücken her heran und stößt die blanke Waffe hinter dem [Schulter-]Blatt schräg nach vorn in den Brustkorb. Handelt es sich um einen etwa hoch am Blatt getroffenen Hirsch, der dann mit Geweih und Läufen wie wild um sich schlägt, so gehört schon ein ganzer Kerl dazu - aber das wollen wir Jäger doch alle sein!
[…]
Es gehört, wie schon gesagt, Übung dazu, um ein Stück richtig abzufangen, und erst, wenn man vollkommen sicher ist, darf man sich an das noch lebende Stück wagen. Es soll Jäger geben, die behaupten, sie könnten das nicht, sie könnten das Wild nicht unter ihren Händen leiden sehen - - - wer so zart besaitet ist, der setze sich hinter den Ofen und lasse sich von seiner Großmutter lyrische Gedichte vorlesen. Die Jagd ist ein männliches Tun, sie verlangt männliche Tatkraft und Entschlossenheit, Mut und Geistesgegenwart und eine gewisse männliche Härte.
Es kommt aber noch eins hinzu: Bei den vielen Hirschen, denen ich im Laufe eines langen Jägerlebens den Fang gegeben habe, ist mir niemals in den Sinn gekommen, daß der Hirsch Schmerzen leide. Der Ausdruck dieser stolzen Köpfe war immer der eines großen Zornes bis zur rasenden Wut. Mir müßte jede Fähigkeit abgehen, im Gesichtsausdruck der Tiere lesen zu können, wenn ich mich darin täuschte. Und diesem Zorn, dieser Wut gegenüber kommt Mitleid gar nicht in Frage. Es kämpft eben Mann gegen Hirsch, Hirsch gegen Mann. Und in diesem Kampf zu einer so überlegenen Waffe zu greifen, wie es die Büchse ist, das ist mir immer gegen das Jägerblut gegangen."
(Raesfeld/Frevert, Das Deutsche Waidwerk, Parey-Verlag, 7. Auflage 1955, S. 178-181)

lustvolles Töten

Bild-Zeitung vom 21. Nov. 2002

Halali des Grauens

Bremen – Es sollte der "Ritterschlag" für die Neuen in der Jägerschaft werden. Eine zünftige Jägerfeier mit Halali und seltsamen Ritual. Am Ende war einer der Jäger tot.

Monatelang hatte Schlosser Frank M. (42) aus Luttum (Niedersachsen) gebüffelt, endliche seinen Jagdschein bestanden. Zur Feier des Tages zogen die Jäger nach der Treibjagd in ein Gasthaus.

Dort begann das Martyrium: Für die Prüflinge hatten sich die Kameraden ein Fragespiel ausgedacht. Wer die Antwort auf eine der  Fragen nicht wusste, musste einen Korn trinken. Aber nicht aus einem kleinen Glas, sondern aus dem Lauf einer Flinte. Fassungsvermögen: bis zu einem halben Liter!

Der Familienvater Frank M. musste besonders oft schlucken. Gegen seinen Willen. Ein Augenzeuge: "Er flehte 'Hört auf, ich kann nicht mehr.'" Stattdessen gab es noch mehr Korn und reichlich Bier

Höhepunkt der Feier: Auf einem Tablett wurde ein toter Hase serviert. Der Schlosser musste das rohe Herz und die Leber essen. Ein zweiter Prüfling: "Das war so entwürdigend. Ich bin vor die Tür gerannt, habe mich übergeben. Frank sagte: 'Das kann ich nicht.' Mir hat das wahrscheinlich das Leben gerettet."

Auch Sohn Ron (14) war aus Stolz auf seinen Papa dabei. "Ich habe die Männer immer wieder gebeten aufzuhören. Papa war völlig fertig." Gegen 23 Uhr brach der Mann zusammen. Sein Sohn rief die Mutter an, die wollte einen Notarzt alarmieren. Aber die Jäger wiegelten ab: "Der muss nur ausschlafen."

Am nächsten Morgen war Frank M. tot. Staatsanwalt Detlef Dyballa: "Er hatte 3,65 Promille im Blut. Wir ermitteln wegen fahrlässiger Tötung oder unterlassener Hilfeleistung."

Ergänzung: Dieser reißerische BILD-Artikel schreit geradezu danach, von einer seriösen Fachzeitschrift wie "Wild und Hund", Heft 24, 20. Dez. 2002, S. 12, richtig gestellt zu werden:
"Ein Einzelfall? Wie seltsam sind die Rituale der Jäger? Oder wie seltsam erscheinen sie in der Öffentlichkeit? Was ist in diesem Zusammenhang denn wirklich gewachsene Kultur und Tradition, und was irrsinniger, gefährlicher Schwachsinn?
Immer wieder hört man vom Saufen aus dem Gewehrlauf, in den immerhin fast ein halber Liter Schnaps passt, hört man von seltsamen Trinkritualen und Jägerschlägen. Die Palette der Abstrusitäten reicht vom 'Blatt schlagen' mit runter gelassenen Hosen, vom Apportieren erlegten Wildes bis zum Servieren von Innereien."

Jäger sind Machos

"Schaut euch die Weiberfeinde, die Vegetarier, die Antialkoholiker, Nichtraucher, Sektierer und die heftigen Jagdfeinde näher an, und ihr werdet finden, dass ihr Verhalten von Angst und Urteilsschwäche oder Geltungsbedürfnis oder Enttäuschung oder schlechtem Gewissen oder ganz einfach von abnormer Veranlagung oder böser Erfahrung bedingt ist. Was sie dann veranlasst, dem Jäger dasselbe anzukreiden.
Hans Krieg, erster Präsident des Deutschen Naturschutzrings (DNR)"

Dieses Zitat stellt der Jäger Wollny seiner Schrift "Jagdgegner-Behauptungen - Eine Richtigstellung" (PDF) voran. Ein schönes Eigentor!

Der DNR, ein Dachverband verschiedenster Naturschutzorganisationen, war anfangs von Jägern, den einzig wahren Naturschützern, dominiert, bis 1986 der Deutsche Jagdschutzverband (DJV) aus dem DNR ausgeschlossen wurde. Danach traten noch freiwillig aus: Deutscher Falkenorden, Silberner Bruch, Deutscher Fischereiverband, Verband Deutscher Sportfischer und Deutscher Imkerbund. Heute verlangt der DNR nach einer ökologisch orientierten Reform des Jagdrechts.

Jagdethik

Jagdlyrik

"Die in amtlichen Vordrucken mit dem Wort 'Abschuß' gekoppelten Ausdrücke passen nicht. Man sollte deshalb aus jagdethischen Gründen an Stelle von 'abschießen' sagen: Schießen, erlegen, strecken, auf die Decke legen; statt 'Abschußplan': Bejagungsplan; statt 'Abschußliste': Streckenliste und statt 'Abschußmeldung': Streckenmeldung." (Blase/Pettinger, S. 184)

"Rehwild gehört zu den beliebtesten Schalenwildarten der Jäger wie der Naturfreunde gleichermaßen. Sie schätzen die Standorttreue, die Tagaktivität und die Variabilität der Gehörnformen. Viele Jäger sprechen vom 'Hochwild des Herzens', um ihre Wertschätzung für das Rehwild treffend zu beschreiben." (Land & Forst 21/2005, S. 43)
"Das ist des Jägers Ehrenschild,
daß er beschützt und hegt sein Wild,
weidmännisch jagt, wie sich's gehört,
den Schöpfer im Geschöpfe ehrt."

(Diese Verse finden sich auch auf dem Etikett des Kräuterlikörs "Jägermeister")

Jagdporno

"Respekt und die dankbare Anerkennung, dass das erbeutete Wild sein Leben dem Menschen hingegeben hat" (Dr. K.-H. in der Pirsch, Heft 13/2006)


"Jagd ist Tierschutz"

(Deutscher Jagdschutzverband)

"Ufert der Tierschutz aus?"

(Deutsche Jagdzeitung, DJZ)

Nachdem Deutschland die Jagdzeiten auf Tauben, Schnepfen und einige andere Vögel in Erfüllung der EU-Vogelschutzrichtlinie verkürzen musste (Jagdverbot in der Brut- und Aufzuchtzeit), schreibt die DJZ unter dieser Überschrift im Heft 5/2002, S. 5:

"Nach der Waldschnepfe nun das 'Aus' für die Jagd auf den Ringeltauber. Wieder ist mit der berühmt-berüchtigten Salami-Taktik der Jagd etwas genommen worden – nämlich Freude! Das Frühjahr spüren, das Erwachen der Natur aus dem Winterschlaf erleben. Und der Schuss auf den Tauber ist nur der Abschluss einer tiefen Befriedigung über das Erlebte."
Einige Seiten später folgt ein Interview mit dem Justiziar der Landesjägerschaft NRW, Thies:
"DJZ: Schließen Tierschutz und absichtliche Tötung von Tieren einander nicht grundsätzlich aus?

Thies: Tierschutz und die absichtliche Tötung von Tieren schließen sich keineswegs aus. Niemand weiß dies besser als die Jäger. […] Die ordnungsgemäße Jagdausübung stellt nach einhelliger Rechtsansicht einen vernünftigen Grund für die Tötung von Tieren dar. Bei verständiger Betrachtung sind dabei auch die Zufügung von Schmerzen und unter Umständen sogar von Leiden, etwa bei krank geschossenem Wild, leider unvermeidbar. […] Für die Schweißarbeit und ein dabei unter Umständen notwendig werdendes Hetzen und Niederziehen eines kranken Stückes sehe ich keine Gefahr von Einschränkungen. Die Nachsuchenarbeit dient ja in erster Linie dazu, dem kranken Wild weitere Schmerzen und Leiden zu ersparen. Deshalb ist die Schweißarbeit notwendiger Bestandteil eines richtig verstandenen Tierschutzes.[…]

DJZ: Ist zu befürchten, dass jedes Krankschießen von Wild künftig als fahrlässige (wenn nicht sogar vorsätzliche) Tierquälerei bewertet wird?

Thies: Diese Befürchtung besteht nicht, denn Tierquälerei begeht nur, wer aus Rohheit einem Tier erhebliche Schmerzen oder Leiden oder länger anhaltende erhebliche Schmerzen zufügt." (S. 16 ff)


CZ, 24. Januar 2003

Meerschweinchen getötet – Geldstrafe

BRAUNSCHWEIG. 2500 Euro Geldstrafe muss ein 40-Jähriger aus Braunschweig für die Tötung zweier Meerschweinchen "ohne vernünftigen Grund" zahlen. Die Tiere hatten bei dem Mann einen Ausschlag verursacht. Da er nicht wusste, wohin mit den Meerschweinchen, habe er sie mit einer Eisenstange erschlagen, teilte die Staatsanwaltschaft gestern mit. Die Verlobte des Tierhalters erhielt einen Strafbefehl über 315 Euro wegen Beihilfe zum Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

 


"Es gibt Eiferer, die das Tier als eine dem Menschen ebenbürtige Kreatur sehen und ihm menschengerechten Schutz zusprechen wollen. Das kann nicht angehen."

Ex-Bundeswirtschaftsminister Rexrodt (FDP), Wild und Hund 10/2002, S. 14


"Es gibt nichts Schöneres als den Schrei eines sterbenden Keilers im Morgengrauen."

Dr. med. Waidloch


Pressedienst des Saarlandes, Ministerium für Wirtschaft, 29. November 2002 - 13:30

Business Meeting: Jagd bringt Geschäftspartner zusammen

"Saarländische Unternehmer mit jagdinteressierten Geschäftspartnern von außerhalb des Landes zusammen" ist laut Wirtschaftsminister Dr. Hanspeter Georgi das Ziel des Business Meeting Jagd am Freitag (29.11.2002).

Die Jagd findet rund um das traditionsreichen Jagdschloß Karlsbrunn im Warndt statt, wo große Gesellschaftsjagden schon seit über 200 Jahren Tradition haben. Dabei zählt Georgi auf die erfahrenen Organisatoren vom Saarforst Landesbetrieb.

Das Konzept, das zusammen mit der IHK Saarland realisiert wird, habe sich bereits im letzten Jahr bewährt: "Die Jagd mag für viele zwar im Vordergrund stehen," so Georgi, "beim Business Meeting Jagd geht es mir vor allem um die Stärkung der Kontakte innerhalb der Wirtschaft ohne feste Tagesordnung."

Gelegenheit dazu wird sich vor allem beim Schüsseltreiben nach Jagdende ergeben. "Dabei wird herauskommen, dass das derzeitige Horrorszenario, das Berlin inszeniert, jegliches Jägerlatein an Ungeheuerlichkeit übertrifft", resümierte Georgi.

Anmerkung: "Schüsseltreiben" wird das Jagdessen genannt. Mit "Horrorszenario" ist die einst von der rot-grünen Koalition geplante Reform des Bundesjagdgesetzes gemeint, die die Zahl der Anlässe zum lauschigen Beisammensein hätte vermindern können.

 


"Die Pirsch/Der Deutsche Jäger" zur Wildschweinplage

"Bejagen statt bekämpfen"

Mit dem Handy auf dem Hochsitz –
da lacht die Sau!

Nicht nur junge Frauen und warme Betten, sondern auch Handys können neuerdings den Wildschweinen das Leben retten. Nach der sogenannten "Wirtschaftsjagd", zu dem das saarländische Umweltministerium über 70 Schützen eben aus der Wirtschaft eingeladen hatte, konnte der Jagdleiter, Dr. Hubertus Lehnhausen, nur eine eher bescheidene Strecke von acht Wildschweinen und fünf Rehen vermelden.

Tatsächlich waren aber 50 Schwarzkittel in den Treiben gezählt worden. Eine Ursache, weswegen so wenig erlegt wurden, könnte sein, weil so mancher der "Wirtschaftsschützen" vom Hochsitz aus eifrig mit seinem Handy telefoniert hatte. Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi kommentierte es so:

"Was haben ein Violinkonzert und die Wirtschaftsjagd miteinander gemeinsam? – Nun, ganz einfach! In beiden Fällen sollte man das Mobiltelefon ausgeschaltet lassen."

Ein Teil der Rotte muss wohl der handy-telefonierenden Wirtschaftsbosse überdrüssig geworden sein. Sie zogen lieber ins wenige Kilometer entfernte Malstatt, einem Stadtteil von Saarbrücken, und suchten auf dem dortigen Markt und in einem Geschäft ihr Heil. Die herbeigerufene Polizei sah in dem seltsamen Gebaren der Sauen eine "erhebliche Gefährdung" und nahm die Fahndung auf. Ein Schwarzkittel wurde sozusagen "auf der Flucht" erschossen. Die anderen verschwanden wieder dahin, wo sie hergekommen waren, nämlich in den Wald.

Wenn in Gebieten mit Schwarzwild der Befund "Schweinepest" festgestellt wird, klingen bei Veterinären, Landwirten und nicht zuletzt den Jägern die Alarmglocken. Die Jäger sind dann gefordert, die Bekämpfung der hochansteckenden Krankheit durch intensive Jagd zu unterstützen. Denn nur durch eine massive Verringerung des Schwarzwildbestands sind die Chancen groß, die Schweinepest schnell zum Erliegen zu bringen Und überall dort wo die Seuche in den vergangenen Jahren aufgetreten ist, sei es in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg oder zuletzt in Rheinland-Pfalz, haben die Jäger in lobenswerter Weise kooperiert und unter erheblichen Anstrengungen die Bestände deutlich reduziert.

Um so unverständlicher ist es, dass mit Schreiben vom 5. Dezember die Kreisverwaltung Bitburg-Prüm (Rheinland-Pfalz) die große Keule ausgepackt hatte und dortige Jagdpächter wegen Verstoßes gegen die in den tierpolizeilichen Anordnungen erhobene Verpflichtung zur intensiven Schwarzwildbejagung mit dem Vorwurf einer Ordnungswidrigkeit nach dem Tierseuchengesetz (Bußgeld bis zu 50 000 Mark) konfrontierte. Begründung: Der bislang getätigte Abschuss beim Schwarzwild betrage weniger als 50 Prozent der Jagdstrecke des vergangenen Jagdjahres und – so die Schlussfolgerung der Behörde – damit sei der Pächter seiner Verpflichtung zu einer intensiven Bejagung nicht in ausreichendem Maße nachgekommen. Aber damit nicht genug: In einer "Tierpolizeilichen Verfügung" wurde eine intensive Bejagung der Wildschweine "angeordnet", unter anderem sollten im Zeitraum vom 9. Dezember 2000 bis zum 14. Januar 2001 mindestens zwei Bewegungs- und zwei Ansitzjagden durchgeführt werden – natürlich vom Hegeringleiter schriftlich bestätigt. Sofortiger Vollzug wurde angeordnet, ein Zwangsmittel von 1000 Mark angedroht.

Bei allem Verständnis: Hier wurde ja wohl kräftig über das Ziel hinausgeschossen. Zum Einen: In der Vergangenheit haben die Eifeler Jäger den Schwarzwildbestand erheblich reduziert, kommen zudem ihrer Pflicht weiterhin nach. Und jetzt wurde ihnen zum Vorwurf gemacht, dass sie bislang zu wenig geschossen haben. Aber – wo weniger ist, kann auch nur weniger erlegt werden. Zum zweiten: Wildschweine stehen nicht im Stall. Dort können Tiere über Nacht gekeult werden. Jäger müssen jede einzelne Sau erjagen. Wer auch nur ein wenig von der Jagd versteht, weiß, dass der Erfolg von vielerlei Umständen abhängt. Die Jäger per Ordnungswidrigkeitenvorwurf quasi zu "kriminalisieren", ist jedenfalls nicht gerade motivationsfördernd. So ist es nur gut, dass die Kreisverwaltung – nach massiven Protesten – diese Aktion bereits eine Woche später wieder ad acta gelegt und sich in einem Schreiben an die Jagdausübungsberechtigten für die Vorgehensweise entschuldigt hat.

Die dümmsten Lügen sind die besten: Beide Artikel standen nebeneinander auf Seite 1 im Heft 2/2001 der Pirsch. Auf S. 14 stand die Jubelmeldung für das Jagdjahr 1999/2000: "neue Rekordmarke" bei den Wildschweinen in Deutschland. Im Heft 21/2001 hieß der Kommentar zur Wildschweinplage: "Bejagen statt bekämpfen".

Auch am Stadtrand von Berlin leisten die Jäger Großes:

Wildschweinjagd auf Stahnsdorfer Friedhof

Mit einer gezielten Jagd soll die Wildschweinplage auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) bekämpft werden. Heute rücken auf der alten Prominenten-Ruhestätte vor den Toren Berlins 15 Jäger an, wie Verwalter Olaf Ihlefeldt mitteilte. Deshalb bleibe der Friedhof von 7 bis 12 Uhr geschlossen. In den vergangenen Wochen hatten die Wildschweine teils massive Verwüstungen angerichtet. Heute werden 15 Jäger versuchen, so viel wie möglich Schwarzwild niederzustrecken. dpa

17. November 2007, 04:00 Uhr

 

Wildschwein-Jagd auf Stahnsdorfer Prominenten-Friedhof war Flop

Stahnsdorf (dpa/bb) - Die Wildschwein-Treibjagd auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) am Samstag war ein Flop – kein einziges Schwarzwild kam den Jägern vor die Flinte. «Der riesige Aufwand war leider völlig umsonst», sagte Verwalter Olaf Ihlefeldt. In den vergangenen Monaten hatten die Wildschweine immer heftiger auf der alten Prominenten-Ruhestätte vor den Toren Berlins gewütet. Auch der Einsatz von drei Jägern brachte kaum Erfolg. Deshalb rückten nun am Samstag 15 Jäger mit scharfer Munition an. 20 Treiber sollten das Wild aus den Verstecken im Dickicht locken. Wegen der Jagd war der Friedhof von 07.00 Uhr 12.00 Uhr geschlossen.

erschienen am 17.11.2007 um 16:32 Uhr

 

Quelle: Welt-Online Quelle: Welt-Online

Cellesche Zeitung

Wildschweine und Rothirsche: immer zu wenig

Die Jäger lassen die Wildbestände ins Uferlose wachsen. Ein Beispiel aus meinem Dorf:

"Rot- und Schwarzwild waren unbekannt, und wenn erst seit etwa 1930 sich ab und zu ein Schwarzkittel hierher verirrte und gar zur Strecke kam, war dies eine Sensation." (100 Jahre landwirtschaftlicher Verein Beedenbostel, 1961, S. 78)

Wenn heute dagegen die Schwarzwildstrecke einmal vorübergehend in einem Jahr auf 131 zurückgeht, so fragen die Jäger sich besorgt, ob "noch genügend Schwarzwild vorhanden" ist (Hegering Lachtetal, Mitteilungsblatt der Samtgemeinde Lachendorf, März 2001, S. 61).

Die systematische Erhöhung der Bestände hat sogar einen Namen: Lüneburger Modell. Als erstes verordneten sich die Jäger ab 1977 eine Schonzeit für die Wildschweine sowie eine besondere Schonung von Keilern mit vielversprechenden Anlagen: "Erzielen starker Keilertrophäen" ist ihr Ziel. (Jürgen Schulte, Der Jäger. Lehrbuch für die Jägerprüfung, Verlag Eugen Ulmer, 3. Auflage 1998, S. 83) "Wir wollen heute damit die Schwarzwildbestände reduzieren, und den Wunsch eines jeden Jägers auf Erlegung eines alten Keilers nebenbei [!] erfüllen." (Nds. Landesjagdbericht 2007, S. 27)

Hier eine Erfolgsmeldung:

"Mittelalte Keiler schont man, bis sie wirklich stark sind (Einzelgänger!). Sie sollten erst erlegt werden, wenn sie mindestens 5 Jahre alt sind oder 100 kg aufgebrochen [ausgeweidet] wiegen. Nach diesem Motto wurde in der Lüneburger Heide am 4.8.1979 im Waldrevier Ellerndorf vom Waidgenossen den Heijer ein kapitaler Basse mit dem sagenhaften Gewicht von aufgebrochen 516 Pfund, der sich in einem angelegten Haferstreifen gütlich tat, mit der 9,3 x 74 R [eine bestimmte Munition] erlegt. Ostpreußenkeiler brachten es nur (!) auf 300 bis 474 Pfund." (Blase/Pettinger, S. 250)

Auch beim Rotwild haben sie der Natur nachgeholfen: Um immer prächtigere Hirschgeweihe zu produzieren, haben sie schon früh Rothirsche aus Ungarn importiert und hier zur Vermehrung ausgesetzt (Der Speicher. Heimatbuch für den Landkreis Celle, Celle 1930, S. 409). Heute wird die Sache quasi industriell wie in der modernen Schweine- und Rinderzucht betrieben:

"Eine der größten Hirschzuchtfarmen Europas entsteht derzeit in Kroatien in der Nähe von Djakovo. Damit wird die Stadt nicht nur für ihre Lippizanerzucht weltberühmt, sondern bald auch mit Hirschen australischen Ausmaßes von sich reden machen. Die Balkan-Hunting-Company, hinter der ein großer kroatischer Autohändler steht, hat mit dem Wissen aus Neuseeland und mit Hilfe von Veterinären aus Wellington (Australien) auf knapp 100 Hektar eine Farm errichtet. Dort wird Rotwildkahlwild mit neuseeländischem Sperma befruchtet. Teilweise wurden auch Hirschembryonen eingepflanzt. Ein Teil der gezüchteten Stücke wird in einem dazugehörigen rund 1000 Hektar großen Gatter erlegt, mit anderen wird europaweit gehandelt." (Wild und Hund, 14/2010)

Damit schließt sich ein Kreis, denn die Rothirsche in Australien und Neuseeland wurden von den Europäern mitgebracht.

Aus der Ostsee-Zeitung vom 10. Dez. 2002

Erlebnis-Urlaub mit der Schrotflinte: Karl Geißinger ist zur Gänsejagd extra aus Regensburg nach Mecklenburg-Vorpommern gereist.

Da sitzt Karl Geißinger (51), Ingenieur aus Regensburg, ruhig und konzentriert. Er kennt sich aus. Gänse hat er schon einmal geschossen, an der Donau.

Die meisten aber sind zum ersten Mal auf Gänsejagd. „Wo wir herkommen, gibt's ja keine“, stellt Torsten Rübsam (30) aus Fulda nüchtern fest. Aus „jagdlichem Interesse“ habe er deshalb den Jagdurlaub in Barlin gebucht. Vier Tage, 600 Euro. Ungeheuer spannend sei die Region, stimmt sein Bekannter Hans-Christoph Mann (66) zu. „Also, jagdlich gesehen.“ Dieser Wechsel von Feld, Wald, Sträuchern. „Einmalig. Mecklenburg-Vorpommern ist eines der wild- und artenreichsten Länder überhaupt.“

Jagdtourismus – für Dirk Wortmann die Existenzgrundlage. 1996 ließ der Bielefelder das Urlaubsdorf Barlin aus dem Boden stampfen, investierte dafür sechs Millionen Euro. 2000 Hektar Revier hat er angepachtet, drei Jagdbetreuer eingestellt. „Der Laden läuft“, sagt Wortmann. Selbst im düsteren November und Anfang Dezember. „Jagdtourismus ist das einzige, was jetzt auf dem Land noch geht.“

Hamburger Abendblatt, 29. Januar 2004

Der Richter ist den Jagdschein los

Lüneburg - Nach seinen Schüssen auf zwei Jugendliche muss der Lüneburger Amtsrichter Ulf S. (55) seinen Jagdschein und seine Waffenbesitzkarten abgeben. Das hat der Landkreis Lüneburg angeordnet. Der Hobbyjäger hatte mit dem Schrotgewehr auf die Jungen gefeuert, weil sie Schneebälle an sein Haus geworfen hatten, und einen 16-Jährigen am Oberarm verletzt. dpa

CZ, 28. Januar 2004

Richter soll sich versetzen lassen

Lüneburg (lni). Nach den Schüssen eines Amtsrichters auf einen 16-jährigen Jungen ist die berufliche Zukunft des Lüneburger Beamten ungewiss [falsch: Richter sind keine Beamte]. Das Justizministerium schlug am Dienstag vor, den Hobbyjäger auf einen anderen Posten zu versetzen. Der 55-jährige hatte sich vorläufig krank gemeldet. […]

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts des versuchten Totschlags. Sie hatte einen Haftbefehl beantragt. Der zuständige Haftrichter sah jedoch keine ausreichenden Gründe dafür, weil keine 'Tötungsabsicht' erkennbar sei. […]

Medienberichten zufolge gilt der 55-jährige, der für Insolvenzrecht zuständig ist, als streitlustig. […]

Schüsse aus einer Schrotflinte können nach Angaben der Landesjägerschaft 'durchaus tödlich sein'. 'Das hängt von der Entfernung ab', sagte Sprecher Detlev Kraatz. […]

HAZ, 2. Juni 2004

Schüsse kosten 3600 Euro

Lüneburg (lni). […] Einen entsprechenden Strafbefehl habe das Amtsgericht Lüneburg gegen den 55-Jährigen erlassen, sagte am Dienstag Oberstaatsanwalt Jürgen Wigger. Der Schütze wurde zum Landgericht Hannover abgeordnet.[…] Den Ermittlungen zufolge schlug der erste Schuss in etwa sieben und der zweite in zwei Meter Höhe in die Bäume ein. Vom zweiten Schuss wurde der Junge am Oberarm verletzt. Der Richter hatte nach eigenen Angaben in die Luft geschossen. Der zweite Schuss sei aber in geringer Höhe eingeschlagen, weil er vor seinem Haus ausgerutscht sei. Diese Einlassung sei glaubhaft, sagte der Oberstaatsanwalt. Das Justizministerium hatte gegen den Richter ein Disziplinarverfahren beantragt, das ausgesetzt wurde. Über die Fortführung könne erst entschieden werden, wenn der Strafbefehl rechtskräftig sei, sagte ein Ministeriumssprecher.

 


Wild und Hund, Heft 21, 2. Nov. 2002

Soldat von Jäger erschossen

"Bei einem nächtlichen Manöver des österreichischen Bundesheeres am Kalvarienberg bei Pinkafeld wurde ein Soldat von einem Jäger erschossen. Der 20-jährige Rekrut, der erst drei Wochen zuvor seinen Grundwehrdienst angetreten hatte, bewegte sich in Tarnkleidung und vollem Gepäck in der Dunkelheit über einen Feldweg, als ihn ein tödlicher Schuss aus der Jagdwaffe eines Jägers traf. Der Unglücksschütze hatte von seinem Auto aus auf das vermeintliche Stück Schwarzwild geschossen. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauern an." (S. 9)

Hierzu merkt Deutschlands einzige Jagdwissenschaftlerin Dr. Sigrid Schwenk in ihren Gedanken zum St.-Hubertus-Tag im selben Heft an:

"Wohl jeden von uns erschüttert ein solches Unglück bis in die Knochen. Es macht nachdenklich, wenn es in den ersten Meldungen heißt, dass der Soldat in der Dämmerung und in der Schnelle aus dem Auto heraus irrtümlich für ein Wildschwein gehalten und beschossen worden sei. Immer bedenklicher wird es, wenn in weiteren Meldungen, die auch von offizieller jagdlicher Seite nachgeschoben werden, behauptet wird, dass zunächst nicht aus dem Auto geschossen worden sei, und außerdem der Soldat dem Jäger, der ein Wildschwein verfehlt habe, in die Schusslinie gelaufen sei. Wenn sich dann noch der Unglücksschütze vor seinem geöffneten Waffenschrank in der Tageszeitung ablichten lässt (ein Foto, dass groß neben dem Passbild des Getöteten in der österreichischen Tagesszeitung 'Kurier' am 19. September erschien), fehlt vielen jedes Verständnis dafür." (S. 14f)

Ansonsten vertritt Dr. Schwenk die Meinung, dass erst die Jagd den Menschen zum Menschen mache: "Vom Tier zum Menschen durch die Jagd" (in: K. G. Blüchel (Hg.), Die Jagd, Könemann-Verlag 2004). Die Menschwerdung von Dr. Schwenk verlief nach eigener Aussage von einem rein wissenschaftlichem Interesse an der Sprache der Jäger zum praktischen Interesse am Töten (ZDF Nachtstudio, 15. Okt. 2007), gewissermaßen eine Rückentwicklung.



CZ, 24. Okt. 2007

Jäger verwechselt Fuchs mit Soldat

EMMERICH. In der Annahme, es handele sich um einen Fuchs, hat ein Jäger in Emmerich (Nordrhein-Westfalen) einen Soldaten aufs Korn genommen und schwer verletzt. Der Oberfeldwebel habe sich nach einer Übung in der Dunkelheit vor dem entgegenkommenden Wagen des Jägers in einen Graben geflüchtet, berichtete die Polizei gestern. Der Jäger glaubte, einen Fuchs vor sich zu haben und feuerte seine Schrotflinte ab. Trotz Schutzweste trafen den Soldaten mehrere Kugeln in Hals, Arm und Hand.

Berliner Morgenpost vom 8. Juni 2004

Zwei Jahre Haft zur Bewährung nach Jagdunfall im Maisfeld

Gericht stellte eine Mitschuld des angeschossenen Opfers nicht fest

Neuruppin - Ein 59 Jahre alter Jäger ist gestern vom Amtsgericht Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) wegen fahrlässiger Körperverletzung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Adolf L. hatte am 20. August 2003 eine 26 Jahre alte Tierpflegerin in einem Maisfeld bei Sieversdorf (Prignitz) zum Krüppel geschossen. Er hatte sie irrtümlich für ein Wildschwein gehalten.

Richter Gerhard Pries begründete das verhältnismäßig hohe Strafmaß für den bislang unbescholtenen Arbeitslosen gestern damit, dass Adolf L. eine besonders grobe Pflichtverletzung vorzuwerfen sei. Denn er habe eine der ehernen Grundregeln beim Jagen nicht beachtet: das so genannte Ansprechen, die Identifizierung des Zieles, bevor der Schuss abgefeuert wird. "Das haben sie nicht getan", warf der Richter dem Jäger vor – obwohl die Sicht bei der gerade aufziehenden Dämmerung an jenem Augustabend kurz nach 20 Uhr noch gut gewesen sei. Stattdessen habe der erfahrene Jäger auf einen "Schatten" angelegt. Es war der Schatten von Mary B. (26).

Die junge Frau hatte sich in das Feld begeben, um Mais für ihre Hühner zu sammeln. Der Jäger, der nur 20 Meter entfernt auf dem Hochsitz saß, um Wildschweine zu schießen, hörte ein Rascheln und Knacken im Maisfeld und drückte ab.

Mary B. wurde getroffen und mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Die Kugel hatte Hüft- und Beckenknochen zertrümmert und Teile des Darms zerfetzt. Tagelang kämpften die Ärzte im Berliner Unfallkrankenhaus Marzahn um die Frau. Sie überlebte, wird aber nach ärztlichen Prognosen nie wieder laufen können.

Ob das Opfer eine gewisse Teilschuld an dem Unglück trifft, das ließ der Richter gestern offen. "Wenn das Wild nicht identifiziert ist, dann darf nicht geschossen werden", sagte er. L.'s Anwalt Jens Sendke hatte im Prozess geltend gemacht, dass das Opfer eine Mitschuld treffen könnte, weil L. vorher keinen Menschen in der Nähe des Feldes gesehen und die Frau sich in das Feld geschlichen hätte, um heimlich Mais zu stehlen.

Der Richter machte jedoch deutlich, dass die Jagdvorschrift des Ansprechens genau dem Zweck diene, schwere Folgen für Unbeteiligte zu verhindern.

Als persönliche Konsequenz hat Adolf L. angekündigt, nie wieder auf die Jagd zu gehen.

Quelle: http://morgenpost.berlin1.de/archiv2004/040608/brandenburg/story682971.html

HAZ vom 19. Januar 2005

Schrotladung trifft zwei Sportler

Norderney (lni). Nach einem Jagdunfall ermittelt die Polizei auf der Insel Norderney gegen drei Jäger. Die Männer sollen während einer Kaninchenjagd zwei Freizeitsportler leicht verletzt haben. Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, wurde einer der Männer von Schrotkugeln am Ohr getroffen. Bei einem anderen mussten Ärzte des Inselkrankenhauses eine Kugel aus dem Lippenbereich entfernen. Ein dritter Mann kam mit dem Schrecken und Schrotgeschoss-Spuren an seiner Kleidung davon.

Die Jagdgesellschaft und die Sportlergruppe seien zum Unglückszeitpunkt etwa 100 Meter voneinander entfernt gewesen, sagte Polizeisprecher Dieter Schrader. "Die Gruppen haben sich gegenseitig gut erkennen können." Wie es dennoch zu dem Unfall kommen konnte, werde derzeit noch ermittelt. Nach den bisherigen Untersuchungen wurden die Männer von ein und derselben Schrotladung getroffen. "Der Unglücksschütze hat sich sofort zu erkennen gegeben und bei den Verletzten entschuldigt. Wir gehen daher nicht von einer Vorsatztat, sondern allenfalls von grober Fahrlässigkeit aus", sagte Schrader. Nach Auskunft der Norderneyer Polizei war es nicht der erste Jagdunfall auf der Insel. Vor ein paar Jahren hatten Jäger dort versehentlich einen Vogelzähler angeschossen.

 



Süddeutsche Zeitung vom 11. Januar 2001

Jäger erschießt zwei Rinder „in Notwehr“

Nennslingen - Ihr Anblick muss furchterregend gewesen sein. Jedenfalls flößten zwei Jungrinder, die in abendlicher Dämmerung unweit der Gemeinde Nennslingen (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen) plötzlich am Waldrand auftauchten, einem fränkischen Jägersmann derart große Angst ein, dass dieser kurzerhand die Flinte hoch riss und abdrückte. „Aus reiner Notwehr“, wie er hernach bei der Polizei zu Protokoll gab, habe er die Kühe niedergestreckt. Denn die beiden etwa 1,30 Meter hohen Tiere hätten ihn angegriffen. Weil Rinder aber rein jagdrechtlich nicht zu erlegbarem Wild zählen, hat der Mann nun mächtig Ärger mit den Behörden.

Zumal die Polizei gehörige Zweifel an der Verteidigungsversion des Schützen hegt. Sie glaubt vielmehr, dass der als Jäger erfahrene, doch über 70 Jahre alte Mann die Kühe mit Wildsäuen verwechselt und in der irrigen Hoffnung auf Wildbret erschossen hat. So jedenfalls hatte sich der Jagdfreund nach den Blattschüssen einem Landwirt offenbart, den er zunächst für den Eigentümer der erlegten Paarhufer hielt. Diesem Bauern waren einige Tage vorher zwei Kühe ausgebüchst. Doch in Mittelfranken scheinen mehr Rindviecher frei herumzulaufen, als man gemeinhin annimmt. Anhand der Ohrmarken stellte sich nämlich heraus, dass die toten Tiere einem anderen Bauern gehörten.

Die Schüsse dürften den Jäger teuer kommen. Schadensersatz steht an und die Jagdbehörde prüft, ob er überhaupt noch einmal auf die Pirsch gehen darf.


"Nirgends wird mehr gelogen als vor den Wahlen und nach der Jagd" — Bismarck


Aus Ostelbien
"Sie können versichert sein, Herr Graf, es war mir selber peinlich genug. Aber der Mann war infolge Ihrer Verletzung drei Monate arbeitsunfähig, nach dem Gesetz mußt' ich Sie da verurteilen." - "Ja, lieber Amtsrichter, wenn Sie sich vom Gesetz beeinflussen lassen!"
Bruno Paul, Simplicissimus 1901




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Abbildungen 188 bis 196 aus: Jürgen Schulte, Der Jäger. Lehrbuch für die Jägerprüfung, Verlag Eugen Ulmer, 3. Auflage 1998


http://eti-veth.de/arroganz.htm
2011-12-04