Die Klage "Reiter machen die Wege kaputt" ist zumindest stark
übertrieben, wenn man bedenkt, dass die Spuren der zig Tonnen schweren
Traktoren, LKWs und aller anderen land- und forstwirtschaftlichen Fahrzeuge viel
tiefer sind und viel häufiger auf den unbefestigten Feld- und Waldwegen
anzutreffen sind und den Fußgängern und Radfahrern mehr zu schaffen machen als
Hufspuren.
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Aber lassen wir doch lieber Forstfachleute zu Wort kommen: Im Heft 13/2000 der "Allgemeinen Forst Zeitschrift/Der Wald" sind zwei Artikel zum forstlichen Wegebau abgedruckt.
Unter der Überschrift "Ein unterschätzter ökosystemarer Eingriff? Flächige Bodenverformung durch Befahren" heißt es: "Wann sind Bodenverformungen 'Schäden'?" Die Autoren vom Institut für Bodenkunde der forstlichen Fakultät Freiburg meinen, "dass der Begriff 'Schaden' sehr unterschiedlich definiert werden kann." (S. 683) Es folgt eine Untersuchung der Verhältnisse in einem Eichenwald im oberrheinischen Tiefland (Markgräfler Land), wie das Wachstum der Bäume durch das Befahren des Waldes – auf Wegen und außerhalb der Wege – gestört wird: Durch das Gewicht der tonnenschweren Fahrzeuge wird der Boden verdichtet und der Gasaustausch zwischen den Bodenschichten untereinander und mit der Atmosphäre vermindert, was das Wachstum der Wurzeln beeinträchtigt. Von einer Schädigung durch Reiter liest man nichts.
In dem zweiten Artikel "Bestandeserschließung und Bodenbefahrbarkeit" macht der Autor, Dr. Gaumitz vom Institut für Forstbenutzung und Forsttechnik der TU Dresden, Vorschläge, wie ein Forst durch Wege, Schneisen usw. für Forstfahrzeuge zu erschließen ist, in welchem Abstand die Wege angelegt werden sollten und unter welchen Bedingungen die Wege zu befestigen und zu reparieren sind. Dieses wird in Abhängigkeit von der Tragfähigkeit der verschiedenen Waldbodentypen untersucht. Als zulässige, d. h. zu akzeptierende maximale Fahrspurtiefe werden 9 cm (bei Sand oder Schotter) bis 40,5 cm (nasser Lehm oder Ton) angegeben (S. 687). Ein Reiter, der sein Pferd so tief einsinken ließe, würde dessen Gesundheit akut gefährden.
In den Planungsempfehlungen des Artikels heißt es, dass auf den Wegen immer noch bis zu 27,5 cm tiefe Spuren durch die Forstfahrzeuge zu erwarten sind (S. 688). Maßnahmen zur Ausbesserung der Wege sollten erst bei Spuren von mehr als 10 cm Tiefe vorgenommen werden. Nach Meinung des Autors "sind Fahrspuren bis 10 cm Tiefe akzeptabel." (S. 691) Dass Reiter solche oder tiefere Spuren hinterlassen würden, liest man nicht.
Der Autor geht davon aus, dass ein LKW mindestens 30 Festmeter (30 m³) Holz transportiert. Das entspricht einem Ladungsgewicht von 15 bis über 20 Tonnen, je nach Holzart. Zum Vergleich: Pferd und Reiter wiegen zusammen keine drei Viertel Tonnen.
In der Hannoverschen land- und forstwirtschaftlichen Zeitung (Land & Forst, Mitteilungsblatt der LWK Hannover), Heft 11/2003, heißt es: "Die Belastung der Waldböden durch den Einsatz von immer leistungsfähigeren und damit schwereren Forstmaschinen bei der Holzernte nimmt zu." (S. 52) Der Autor von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg betont, dass bereits ein einmaliges Befahren den Waldboden für lange Zeit verdichtet. Von Schäden durch Reiter liest man nichts.
"Hohe Lasten und oft extreme Geländeverhältnisse stellen nicht nur hohe Ansprüche an die Holztransportfahrzeuge, sondern auch an die Waldwege. Die Instandsetzungskosten stiegen in den vergangenen Jahren auf beiden Seiten. So werden im niedersächsischen Landeswald derzeit für Wegeunterhaltung und Verkehrssicherung jährlich über fünf Millionen Euro ausgegeben. [… Bei einer Vorführung zeigten sich] vor allem Probleme beim konventionellen einfach bereiften Sattelzug. Dieser kann beladen bei einem Gesamtgewicht von 40 t nur unter maximaler Ausnutzung der Kurvenräder und Bankette und mit radierenden Reifen des Trailers die Kurve durchfahren. Das führte zu starken Schäden an der Fahrbahn." (Land & Forst 37/2003, S. 39 f)
In Fachkreisen wird zugegeben, dass Forstarbeiten mit Pferden (Kaltblütern) Waldboden und Baumwurzeln weniger belasten als Maschinen, die nicht nur den Boden verdichten, sondern außerdem noch das stehende Holz beschädigen, indem sie mit den Reifen die Rinde abschälen. Beim Einsatz von Maschinen gilt die Beschädigung von 10% der stehenden Bäume als akzeptabel.
"Außerdem knacksen die sogenannten Rückepferde weitaus weniger Bäume an als Maschinen. Durch derartige Verletzungen dringen leicht Bakterien in die Bäume ein und lassen sie verfaulen. Experten haben errechnet, daß ein Pferd nur durchschnittlich 17 sogenannte Faulstämme pro Hektar verursacht, ein Schlepper aber zehnmal soviel. " (Spiegel special 2/1995 vom 01.02.1995, Seite 88)"Die schonendste Art der Holzernte erfolgt mit dem Pferd. Sogenannte Rückepferde ziehen gefällte Bäume quer durch den Wald. Sie schädigen weder Bäume noch Boden." (Lebendiger Wald. Broschüre des Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU), Bonn o. J., S. 14)

"Ganz oben rangieren die Punkte Unfallverhütungsvorschriften, Bioöle und das flächige Befahren von Waldflächen. Spitzenreiter sind allerdings nach wie vor überhöhte Wildbestände." (Land & Forst 15/2007, S. 50)
Jäger appellieren an die Reiter, neben den Fahrspuren zu reiten, damit die Forstarbeiter mit ihren Mopeds ungehindert zu ihrem Arbeitsplatz im Wald gelangen können … als ob die Forstarbeiten heute nicht von Polen-Kolonnen ausgeführt würden, die mit Bussen in den Wald gekarrt werden! Der Kreisjägermeister Celle versteigt sich gar zu der Behauptung, die Reiter würden die Wege derartig zerstören, dass die Waldbesitzer ihr Holz nicht mehr abtransportieren könnten (CZ, 13. Januar 2005).
Die Wahrheit ist vielmehr, dass Waldwege mit staatlichen Subventionen
zunehmend in Autobahnen verwandelt werden, damit die riesigen Holztransporter
immer schneller fahren können (just in time). In einem Gerichtsprozess
war sich eine Waldbesitzerin nicht zu schade zu behaupten, dass sie ihren Wald
gegen Reiter abriegeln musste, weil die Pferde die Wege beschädigt hätten, die
sie für viel Geld für den "Schwerlastverkehr" ausgebaut
hatte.
Cellesche Zeitung (CZ), 7. März 2006
Wardböhmer ärgern sich: Lastwagen fahren Straßen kaputt
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| CZ, 28. Juni 2002
Gemeinde muss in die Tasche greifen Holzabfuhr belastet Marweder Wege |
Land & Forst 25/2008, S. 51
Teure Forstwege-Reparaturen"Wir werden 2008 insgesamt 7,2 Millionen Euro einsetzen, um unsere Wirtschaftswege in den Landesforsten zu reparieren", bilanziert Hans-Jürgen Kreuzkam vom Niedersächsischen Forstamt Lauterberg. Die Forststraßen und Maschinengassen hätten unter den großen Holzmassen gelitten, die nach dem Sturm vom Januar 2007 bis heute abtransportiert werden mussten, erklärt Kreuzkam. |

CZ, 6.6.2001 (Auszug):
In dem Waldgebiet habe er kurz vor dem Durchforsten noch Schwarzspechte und Kolkraben gehört und gesehen. Außerdem bekomme man dort häufiger Reh- und Niederwild zu sehen. Krüger ärgert sich darüber, dass er als Bürger "nachhaltig" aufgefordert werde, sich in der Brut- und Setzzeit umsichtig im Wald, möglichst auf den Hauptwegen zu bewegen. "Hundehalter müssen ihre Tiere unbedingt an der Leine führen, aber mit schweren Maschinen darf zur Setzzeit quer durch den Wald abgeholzt werden", macht Krüger seiner Verärgerung Luft.
"Wir müssen die Forstwirtschaft ganzjährig betreiben. Sonst läge der gesamte forstwirtschaftliche Betrieb brach", meint Gerhard Jacobj, der Leiter des Niedersächsischen Forstamtes Unterlüß. Dem pflichtet Volker Schulte, Leiter des Forstamtes Celle der Landwirtschaftskammer Hannover, zu: "Bei einem generellen Verzicht auf Einschlag im Sommer käme die Forstwirtschaft für ein halbes Jahr zum Erliegen. Das ist ökonomisch nicht zu vertreten."
Anmerkung: Forstdirektor Jacobj ist auch – quasi kraft Amtes – Jäger und hat dafür gesorgt, dass die Wege in den Wäldern seines Forstamtes überwiegend mit Schranken gesperrt sind, damit er in aller Ruhe während seiner Dienstzeit seinem Hobby nachgehen kann.
Jürgen Andresen, 29331 Lachendorf, Dorfstr. 51, eMail: juergen.andresen(a)web.de
http://eti-veth.de/vorurtei.htm
2010-10-16