Unter dieser irreführenden Überschrift schrieb die Hannoversche Allg. Zeitung (HAZ) am 8. August 2001:
"Die niedersächsischen Jäger dürfen [!] künftig nur noch in bestimmten Fällen Rebhühner und Waldschnepfen erlegen. Landes-Jägerpräsident Wilhelm Holsten hat gestern einen entsprechenden Vertrag mit Landwirtschaftsminister Uwe Bartels unterzeichnet. Demnach dürfen [!] Jäger Rebhühner nur noch in Revieren schießen, in denen im Frühjahr mindestens drei Paare auf einer Fläche von 100 Hektar gebrütet hatten. Waldschnepfen sind für Weidmänner überall dort tabu, wo in den vergangenen drei Jahren keine Exemplare mehr erlegt wurden.
Im Gegenzug will das Ministerium in den kommenden fünf Jahren eine großangelegte Untersuchung zum Bestand der beiden Vogelarten in Niedersachsen vornehmen. Anhand der Zahlen soll dann festgelegt werden, wie viele Tiere die Jäger zur Strecke bringen dürfen [!]. Damit will die Landesjägerschaft Jagdkritikern, denen die Zahl der Abschüsse zu hoch ist, den Wind aus den Segeln nehmen: 'Sichere Daten können Naturschützer nicht in Zweifel ziehen', erklärte Holst[en]. Wo die Vögel selten seien, hätten die Jäger bereits seit Jahren freiwillig auf Abschüsse verzichtet."
Fünf oder sechs Jahre später präsentieren Bartels' und Holstens Nachfolger im Jagdbericht 2006 die Erfolgsbilanz der freiwilligen Vereinbarung:
"Das Rebhuhn hat Ende der 70er / Anfang der 80er Jahre in Niedersachsen einen extremen Bestandseinbruch erlitten und sich von diesem bisher nicht wieder erholt." Die Jagdstrecke ist um 97,7 % zurückgegangen. (S. 92f)
"Das Rebhuhn ist heute nur noch als 'Nebenbeute' auf Treibjagden anzusehen. […] Bejagt wird das Rebhuhn heute in erster Linie dort, wo höhere Populationsdichten aufgrund einer dem Rebhuhn zusagenden Landschaftsausstattung und / oder intensiver Hegebemühungen zu finden sind. Die Forderung, Rebhühner nur ab einer Dichte von mehr als 3 BP [Brutpaare]/ 100 ha Offenlandfläche zu bejagen, wird nicht von allen Revierinhabern befolgt." (S. 94)
Das liegt daran, dass die betreffenden Jäger sensibel sind:
"Dabei liegen die meisten Reviere, die sich an diese Regelung nicht gehalten haben, im Bereich von mehr als 2 BP / 100 ha Offenland. […] Das heißt, die Bejagung wird sensibel in Abhängigkeit des Reproduktionserfolges des Rebhuhns jahresspezifisch angepasst." (S. 95)
Es folgt die Andeutung, dass die Jagd auf das Rebhuhn selbiges ausrotten kann. Gegen alle Tatsachen wird dann passend gemacht, was nicht zusammenpasst:
"Ein generelles Verbot der Bejagung des Rebhuhns, das auch die Reviere mit stabilen oder steigenden Beständen erfasst, würde die Artenschutzbemühungen in der Agrarlandschaft von Seiten der Jägerschaft allgemein konterkarieren." (S. 96)
Drei Jahre später hieß es im Jagdbericht 2009, dass die Bestände von 2005 bis 2009 um weitere 28 % zurückgegangen seien. Trotzdem wird wiedergekäut:
"Ein generelles Verbot der Rebhuhnbejagung ist aus wildbiologischer Sicht nicht sinnvoll, da anhand der WTE-Daten [Wildtiererfassung] gezeigt werden kann, dass in Revieren mit einer Bejagung die Besatzentwicklung positiver bzw. weniger negativ verläuft als in Revieren ohne Bejagung. Dieser Effekt ist vermutlich auf die intensiveren Hegemaßnahmen in den 'bejagten' Revieren zurückzuführen, da eine Aussicht auf eine Rebhuhnjagd besteht." (S. 56)
Hegen, nur wenn und solange man töten kann!
Noch einmal zurück zur Schnepfe: Vermutlich gibt es viel, viel mehr dieser Tiere, als die Jäger glauben!
"Die Ermittlung der Bestandsdichten und die Erfassung der Populationsentwicklung der Waldschnepfe gestaltet sich im Vergleich zu den anderen Niederwildarten äußerst schwierig. Ihre heimliche Lebensweise auf dem Waldboden, in teilweise dichter Krautvegetation, gepaart mit ihrer ausgezeichneten Tarnfärbung, verschleiert häufig ihre Präsenz als Brutvogel in den waldreichen Revieren Niedersachsens. Darüber hinaus ist die Jagdtradition – die Jagd auf dem 'Schnepfenstrich' zur Balzzeit – durch ihr bundesweites Verbot im Jahre 1977 erloschen und damit auch nicht selten das Interesse an den lokalen Schnepfenpopulationen." (Jagdbericht 2003, S. 40)
Das Schlusswort hat Minister Bartels in indirekter Rede:
"Jagd sei schließlich erheblich mehr als nur das Schützen der Natur." (HAZ, 9. Nov. 2001, Überschrift: "Bartels lobt die Grünröcke")
Waidmannsheil! Es gibt ja Rothirsche und Wildschweine im Überfluss! Ansonsten gibt es für geringere Ansprüche oder Geldbeutel noch anderen Ersatz:
"Mit dem Rückgang von Hase und Kanin, Rebhuhn und Fasan sind Treibjagden zur Randerscheinung im jagdlichen Terminkalender verkommen. Doch die Jagd mit der Flinte ist nicht tot, im Gegenteil: […] Gänse, Krähen und Tauben sind das Wild der 'neuen Flintenjagd'." (Deutsche Jagdzeitung Nr. 9/2011, S. 24)
Der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalens erwirkte ohne Rücksprache mit den Betroffenen ein totales Jagdverbot.
Baron Boeselager wirft dem Landesjagdverband vor, das Ende der Niederwildjagd einzuläuten.
Antonius Freiherr v. Boeselager empört sich: "Die Leidtragenden sind die Rebhühner."
"Wenn heute noch in der Öffentlichkeit behauptet wird, Jäger würden Tierarten ausrotten, so ist das eine bewußte Falschmeldung." (Schlußerklärung der internationalen Jagdkonferenz 1992)
http://eti-veth.de/heger.htm
2011-11-13