Pferd und Jagd einmal anders:

Pferde retten das Birkhuhn

Hannoversche land- und forstwirtschaftliche Zeitung, 22. Juli 2004, S. 39

Dülmener Wildpferde als Heidepfleger

Sieben Dülmener Pferde sind kürzlich im Radenbachtal bei Undeloh eingetroffen und fühlen sich dort offenbar pudelwohl. Nach den Rotbunten Undeloher Rindern hat der Verein Naturschutzpark (VNP) mit dieser uralten Pferderasse eine zweite Mannschaft zur Heidepflege angeheuert. Ihre Aufgabe: „Sie sollen das Pfeifengras verbeißen, das für unsere Heidelandschaft genau so gefährlich wie Drahtschmiele ist, ein neues europaweites Problem im Landschaftsschutz", sagt VNP-Geschäftsführer Mathias Zimmermann.

Insbesondere dem Birkhuhn soll die kleine Herde helfen, die halb offene Heidelandschaft, die zu verwalden droht, als Lebensraum zu erhalten. Im vergangenen Winter hatte der VNP ein 150 Hektar großes Areal am Radebach zur Sonderbeweidung eingefriedet und dafür Protest von den Undelohern und ihren Gästen geerntet. „Verstehe ich nicht, denn das Radenbachtal ist seit jeher beweidet worden", sagt Nebenerwerbslandwirt Hermann Marquardt aus Undeloh, der dort früher selbst seine Rinder stehen hatte. Gemeinsam mit Gerd-Peter Diersen aus Volkwardingen kümmert er sich um die Rinder, neuerdings auch um die Pferde.

Eine Beweidung des Radenbachtales ist seit langem überfällig: Schon wachsen dort Bäume auf, und die drohende Verwaldung ist gefährlich, denn der halb offene Charakter der Heidelandschaft ist dadurch bedroht, sagt Zimmermann.

Die Dülmener Pferde erinnern an das vom Tarpan stammende Wildpferd und sind vor Jahrhunderten domestiziert worden im Münsterland. Herzog von Croy hält sie in einer 1200 Morgen großen Wildbahn. Erstmals in der Geschichte des Gestüts ist eine so große Kollektion verkauft worden; bislang hat sich der Eigentümer nur von gelegten Hengsten getrennt. Der Aalstrich auf dem Rücken, das zierliche Interieur und die Fellfarbe zwischen Grau und Braun erinnern an die Abstammung dieser Rasse vom Wildpferd.

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Nicht nur das Verbeißen des Pfeifengrases, das mit Vorliebe Flächen mit Staunässe besetzt, ist wichtig. Auch die Pferdeäpfel sind wichtig, weil sie etwa 190 Großinsektenarten anziehen. „Die bilden dann das Futter für seltene Vogelarten wie das Birkwild", erläutert Zimmermann. Schnuckenbeweidung gegen die Drahtschmiele, Rinder und Pferde gegen das Pfeifengras. „Das ist eine gute, artgerechte und historisch gerechtfertigte Art der Heidepflege", sagt Zimmermann. Grund: Die Schnucken mögen kein Pfeifengras, und mit ihren kleinen Klauen können sie es auch nicht zertrampeln. Da müssen schon große Hufe her. Für Mizzi, Marile, Nala, Natascha, Nelly, Noja und Noeill ist der Tisch üppig gedeckt, sie brauchen selbst im Winter kein zusätzliches Futter.

Einmal davon abgesehen, dass die Erhaltung der Lüneburger Heide kein Schutz der Natur ist – jedes Schulkind weiß, dass diese Landschaft das Ergebnis eines lehrbuchartigen Raubbaus an der Natur ist; der Verein Naturschutzpark setzt sogar Maschinen ein, um die Wiederentstehung von Wald auf den Heideflächen zu verhindern –, so ist es doch lustig zu lesen, dass ausgerechnet die den Jägern so verhassten Pferde es sind, die das schaffen, was die Jäger nicht können bzw. was ihnen gleichgültig ist.

Naturschutz und Jagd waren schon immer Gegensätze, auch am Wilseder Berg. So schrieb Carl Ritters, Mitglied des Vereins Naturschutzpark, im Jahr 1924:

"Jagd im Naturschutzpark"
"… Sie (Anm.: die hannoversche Regierung) steht auf dem Standpunkt, daß das hannoversche Jagdgesetz über den Schutzverordnungen steht. Was nützen alle Gesetzte, ein Schon- und Schutzgebiet zu erhalten, wenn ein Jagdgesetz höher steht und mehr wiegt denn Schongesetze! Der Rechtsgelehrte Sohm in Leipzig sagte: Recht ist, was der Gesamtheit frommt! Der Gesamtheit dient der Naturschutzpark, dem einzelnen Besitzer dient das Jagdgesetz."
(Volker Ritters, Der Naturschutzpark Lüneburger Heide, Märkischer Kunst- und Heimatverlag 1995, S. 150)

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http://eti-veth.de/birkhuhn.htm
2008-07-05